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Objekte in Raum und Zeit

Round-Table der eHumanities Projekte RiR und IBR

Im Rahmen des Projektes „Relationen im Raum - Visualisierung topographischer Klein(st)strukturen (RiR)“ fand vom 28. bis zum 29. Januar 2015 im Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte, Essen, ein gemeinsamer Round-Table mit dem Projekt „Inschriften im Bezugssystem des Raumes (IBR)“ statt. Beide Projekte beschäftigen sich mit den Beziehungen von beschrifteten (zuweilen auch unbeschrifteten) Objekten im räumlichen Kontext und werden im Rahmen der eHumanities Förderlinie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Das Projekt IBR widmet sich u.a. der Rekonstruktion der ursprünglichen Lage heute dislozierter Ausstattungsstücke in der Stiftskirche Oberwesel. Hierzu werden terrestrische 3d-Laserscannings mit Informationen annotiert, um Sichtbeziehungen, Funktionen und Lokalisierungen qualitativ auswerten zu können. Die Mainzer Fachwissenschaftler haben dafür den GenericViewer entwickelt, mit dessen Hilfe Raum- und Fachdaten verknüpft und in einem Triple-Store abgelegt und verknüpft werden können.

Im Projekt RiR steht aufgrund der hohen Fallzahlen (Hamburg: 6000 Grabsteine; Mülheim/Ruhr: mehr als 600 Grabsteine; Bonn-Schwarzrheindorf: mehr als 400 Grabsteine etc.) nicht nur die qualitative Analyse von Einzelfällen, sondern auch die quantitative Auswertung von Informationen im Vordergrund. Daten zu den Inschriften, aber auch formale und konstruktive Merkmale der Grabsteine, werden hierbei zweidimensional (2d) in vektorisierten formtreuen Aufmaßen oder schematischen Lagediagrammen mittels der Bildannotationssoftware HyperImage im RiR-Topographie-Visualisierer dargestellt. Hier werden Muster im Raum-Zeit-Gefüge erkennbar. D.h., neben der räumlichen Lage eines jeden Objektes ist stets auch der zeitliche Kontext abbildbar. Die im XML Format vorliegenden Daten der Fachwissenschaftler – für die Inschriften TEI-Epidoc-XML, für die Baugeschichte nach eigenem XML-Schema – werden in einer objektorientierten LDAP-Datenbank gespeichert.

Den Auftakt der Veranstaltung bildete die Präsentation der fachwissenschaftlichen Datenmodelle, Fragestellungen und der zur Umsetzung entwickelten und benutzten informatischen Tools der beiden Projekte. Dazu stellte Frithjof Schwarz (Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz) Vorgehen und Ergebnisse des IBR-Projekts vor. Thomas Kollatz, Nathanja Hüttenmeister (beide Salomon Ludwig Steinheim-Institut) und Tobias Rütenik (FG. Bau- und Stadtbaugeschichte, Technische Universität Berlin) präsentierten das RiR-Projekt aus fachwissenschaftlicher Sicht. Torsten Schrade (Digitale Akademie Mainz), Fredie Kern (i3mainz), Martin Warnke (ICAM – Leuphana Universität Lüneburg) und Peter Gietz (DAASI International GmbH Tübingen) erörterten anschließend die zugrunde liegenden informatischen Grundlagen beider Projekte.

Im zweiten Teil der Veranstaltung – dem Roundtable Jewish Epigraphy – war  eine gemeinsame Fallstudie zum sogenannten “Denkmalfriedhof” in Mainz zentral. Durch ein Studierendenprojekt der Fachhochschule Mainz stand ein terrestrisches Laserscanning zur Verfügung, das in den GenericViewer des IBR geladen werden konnte. Die Edition der Grabinschriften wiederum lag in der epigraphischen Datenbank “epidat” am Salomon Ludwig Steinheim-Instituts TEI-XML vor, die Kodierung der Grabmalarchitektur (ebenfalls XML) wurde von der TU-Berlin für den workshop im Vorfeld angefertigt. Das Team um Torsten Schrade (Digitale Akademie Mainz) konnte die im RiR-Projekt erhobenen Daten erfolgreich mit dem xtriples Webservice für die Aufnahme im Triple-Store des IBR in RDF transformieren: Die Interoperabilität beider Systeme konnte so bewiesen werden. Zudem ist es gelungen, aus der 3d-Punktwolke ein 2d-SVG-Diagramm zu generieren. Im Nachklang des Workshops wollen beide Projekte – soweit möglich – an der Vervollständigung der Fallstudie weiter zusammenarbeiten.

Einen gewichtigen Teil der Veranstaltung nahm darüber hinaus die Diskussion über die beiden Projekten zugrunde liegenden Konzepte ein. Forschungsvorhaben der Digital Humanities fokussieren sich bisher vor allem auf den Umgang mit Texten. Beiden Projekten – IBR und RiR – ist im Gegensatz dazu aber gemeinsam, dass sie vornehmlich die Kodierung von Objekten und ihre spatio-temporalen Relationen zum Ziel haben. In der Diskussion zu diesem Thema zeigte sich, dass solche Ansätze insbesondere dann erfolgreich umgesetzt werden können, wenn eine große Menge systematisch strukturierter Daten seitens der beteiligten Fachwissenschaftler vorliegen. Als universelles Austauschformat dient hierbei vor allem XML. Die digitalen Informationen sind in diesem Zusammenhang vor allem dann besonders aussagekräftig und einer reichhaltigen computergestützten Auswertung zugänglich, wenn die zugrundeliegende Systematik der entsprechenden XML-Dateien von den Fachwissenschaftlern selbst erarbeitet wird. Es stellte sich des Weiteren heraus, dass herkömmliche relationale Datenbanksysteme für die Aufnahme dieser komplexen Datenstrukturen nur äußerst bedingt tauglich sind. Das IBR-Projekt verwendet IBR Triple-Stores, das RiR-Projekt eine objektorientierte LDAP-Datenbank.

Einigkeit zwischen den Beteiligten bestand ferner darin, dass in beiden Projekten RiR und IBR mächtige Datenstrukturen und Tools entwickelt wurden, die der Erforschung von Objekten und ihren Beziehungen in Raum und Zeit entscheidende neue Impulse liefern. Eine gemeinsame weitere Bearbeitung und Vereinheitlichung der Ansätze aus den beiden Projekten wurde deshalb als äußerst gewinnbringend angesehen. Dies bestätigten nicht zuletzt auch Vertreter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen, des europäischen Infrastrukturprojekts DARIAH sowie der an den Fragestellungen des Workshops interessierten Akademie-Projekte “Deutsche Inschriften online” und  „Textdatenbank und Wörterbuch des Klassischen Maya“.

Gruppenfoto zum Abschluss des RIR-IBR workshops

 


Siehe auch den Tagungsbericht in der Webpräsenz des IBR-Projekts: http://www.spatialhumanities.de/ibr/startseite/aktuelles/details/spatial-humanities-workshop-mit-dem-bmbf-projekt-relationen-im-raum.html

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