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5. Kontrolliert-Strukturierte Vokabulare

Die vorstehenden Beschreibungen, Analysen und die dabei erst in Ansätzen verwirklichte Evaluation der Formate zeigen, dass sich die Geisteswissenschaften und damit verbunden die Digital Humanities erst in jüngster Zeit mit dem Thema Standardisierung und der Verwendung von interdisziplinären Austauschformaten auseinanderzusetzen beginnen. Es entsteht der Eindruck, dass die textbasierten Geisteswissenschaften weniger mit den für ihre Zwecke meist nicht ausreichenden Standards der Bibliotheken und Archive arbeiten können, sondern effektiver mit einem Format wie TEI; jedoch gibt es auch hier bereits Entwicklungen hin zu spezialisierten, auf die Forschungsinteressen an bestimmten Textquellen zugeschnittenen Standards, wie EpiDoc, CEI und MXML. Bei den Objektwissenschaften, wie den Archäologien und Kunstwissenschaften, wird deutlich, dass sie in der Standardisierung sehr viel stärker auf die Verwendung verschiedener Daten- und Metadatenformate setzen, die jeweils für bestimmte Forschungsmethoden besonders geeignet sind. Allein die enorme Heterogenität der in den Geisteswissenschaften behandelten Forschungsdaten, Objekte und Quellen – und damit auch die Heterogenität der darauf bezogenen Forschungsfragen – erklärt bereits die Notwendigkeit dieser Vielfalt. In allen Geisteswissenschaften fehlt jedoch bisher ein Standard zur Erfassung des Forschungskontextes selbst. Hier muss zukünftig verstärkt darauf hingewirkt werden, dass diese für den wissenschaftlichen Forschungsprozess unerlässlichen Informationen zur Nutzung digital vorliegender Forschungsdaten standardisiert erfasst werden können.

Die Erarbeitung von gemeinsamen Normdatensätzen oder Thesauri bietet für die Erschließung in allen Geisteswissenschaften einen ersten Ansatz, um über Disziplingrenzen hinweg Nutzen und Mehrwerte durch die Möglichkeit der Interoperabilität zu schaffen. Dies sind Aspekte, die verstärkt an geisteswissenschaftliche Forschende vermittelt und zugleich aber auch eingefordert werden sollten, für die andererseits aber gerade im Bereich der Museen, Bibliotheken und Archive hervorragende Vorarbeiten existieren, die in die Arbeiten der Geisteswissenschaften mit einbezogen und ggf. disziplinspezifisch erweitert werden sollten. Hier ist weniger Neu- denn Weiterentwicklung des Bestehenden und eine stärkere Kooperation zwischen Wissenschaft und Museen, Bibliotheken und Archiven zu fordern.

Zugleich dürfte durch die vorliegenden Empfehlungen deutlich werden, dass von Seiten der Forschungsförderer die Berücksichtigung von Standards und Normdaten stärker als bislang eingefordert werden muss, wenn größere Interoperabilität als ein in absehbarer Zeit zu erreichendes Ziel gelten soll. Dabei bleibt stets behutsam zwischen generell zu berücksichtigenden Normen und für disziplin- oder projektspezifische Fragestellungen notwendigen Modifikationen, Ergänzungen oder gar Neuentwicklungen abzuwägen. In allen Fällen müssen die für einen solchen Umbau in den Geisteswissenschaften notwendigen Ressourcen aber in den Zeitbudgets und der Personalausstattung von Forschungsprojekten stärker berücksichtigt werden – bis hin zum verstärkten Schulungsbedarf, der für diesen Wandel so lange essentiell bleibt, bis die universitäre Ausbildung diese Aufgaben übernommen hat. Forschungsförderer sind am ehesten in der Lage, in ihren Leitlinien für die Beantragung von Projekten die künftige Notwendigkeit der Dokumentation des Forschungskontextes als eine neue Aufgabe interdisziplinärer bzw. Ergebnisse nachnutzender Forschung zu verdeutlichen.

Nach den vorausgehenden Beschreibungen und Analysen sollte deutlich geworden sein, dass die wichtigste dieser Empfehlungen nicht lauten kann, sich auf ein bestimmtes Format zu einigen, da die Wahl eines Formats letztlich in Abhängigkeit von Forschungsgegenstand und Fragestellung bestimmt wird. Vielmehr ist die kritische Evaluierung der Formate bezüglich ihrer jeweiligen Leistungsfähigkeit zur Dokumentation von Daten und Metadaten ins Zentrum der Überlegungen vor einer Festlegung auf ein bestimmtes Format zu rücken. Aus der Sicht der hier beteiligten Einzeldisziplinen war ein direkter Vergleich aufgrund der beschränkt zur Verfügung stehenden Beispiele nur an einigen Stellen möglich. Es ist zu hoffen, dass mit der Öffnung der Diskussion über den Horizont der jetzt Beteiligten hinaus rasch eine Sammlung von Beispielen entsteht, die auf umfassenderer Grundlage direkte Vergleiche der Leistungsfähigkeit der Formate (und damit ihrer ggf. noch zu behebenden Defizite) erlaubt und damit zugleich dazu beiträgt, Orientierungshilfen zu bieten für Mapping-Verfahren, die zu einer formatübergreifenden Interoperabilität der Daten beitragen. Bei all diesen Diskussionen sollte künftig auch darauf geachtet werden, dass Partner aus Museen, Bibliotheken und Archiven hinzugezogen werden, denn diese Institutionen werden wesentlich oder zumindest mit dafür zuständig sein, die von der Forschung erzeugten Daten langfristig vorzuhalten. Für die in beiden Bereichen verwendeten, oft noch getrennten Standards werden Mapping-Verfahren oder bereichsabhängige Erweiterungen verstärkt notwendig sein, wenn hier eine stärkere Durchdringung möglich werden soll.

In diesem Sinne ist dieses Wiki als ein sich der Digital Humanities-Community öffnendes living document zu verstehen, das sich durch eine anhaltende Diskussionskultur zu einem Kompendium nachhaltiger und nachvollziehbarer Empfehlungen weiterentwickeln soll. 

7. Anhang

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