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3.3 Musikwissenschaft

Zur Entstehungsgeschichte des Standards MEI heißt es auf der Homepage der Music Encoding Initiative:

 

Seeing the need for a comprehensive markup language in the academic music community, in 1999 Perry Roland of the University of Virginia set about creating an XML schema (DTD) for the representation of music notation. Eventually this DTD became known as MEI because it was influenced by the same principles that guided the creation of the Text Encoding Initiative (TEI)."1

Seit 2007 wird die Entwicklung des Formats von einer internationalen Gruppe von Musikwissenschaftlern, -bibliothekaren, Editoren und Informatikern, dem sogenannten MEI Council, gesteuert. Dieses hat im Mai 2013 eine neue, durch Nutzung des gleichen technischen Unterbaus unmittelbar mit TEI kombinierbare Version MEI 2013 vorgelegt. Auch daran wird die ausdrückliche (aber nicht ausschließliche) Ausrichtung des Codierungsformats auf den wissenschaftlichen Bereich hin deutlich; zugleich soll mit der modularen Struktur des Formats ein breites Spektrum des schriftlich überlieferten Repertoires sowie wissenschaftlicher Einsatzszenarien abgedeckt werden. Neben dem starken Fokus auf digitale Editionen und entsprechenden Auszeichnungsmöglichkeiten zur formalisierten Erfassung editorischer Sachverhalte ist MEI ausdrücklich auch auf eine musikbibliothekarische Nutzung hin konzipiert. Einen ersten Eindruck der auch in diesem Bereich sehr umfangreichen Möglichkeiten der Metadatenauszeichnung in MEI kann das folgende, aus Gründen besserer Übersichtlichkeit stark gekürzte Beispiel zu Schumanns Lied Der Abendstern, vermitteln (eine vollständige Codierung des Liedes findet sich im Anhang).2

Die Metadaten werden dabei in einem eigenen Bereich, dem meiHead ausgezeichnet:

Beispiel für die Struktur der Metadaten in MEI
<mei xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xmlns="http://www.music-encoding.org/ns/mei"
    meiversion="2012">
   <meiHead>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title>Der Abendstern: an electronic transcription</title>
            <respStmt>
               <resp>Composed by:</resp>
               <persName role="composer" authority="GND" authURI="http://d-nb.info/gnd"
                         dbkey="118611666">Robert Schumann</persName>
               <resp>Machine-readable transcription by:</resp>
               <persName role="encoder">Kristina Richts</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <pubStmt>
            <unpub/>
         </pubStmt>
         <sourceDesc>
            <source n="1" xml:id="op79">
               <titleStmt>
                  <title type="main">Lieder-Album für die Jugend für Singstimme(n) und Klavier op. 79</title>
                  <title type="uniform">Lieder für die Jugend</title>
                  <respStmt>
                     <persName role="composer" authority="GND" authURI="http://d-nb.info/gnd"
                               dbkey="118611666">Robert Schumann</persName>
                     <resp>Herausgegeben von:</resp>
                     <persName role="editor" authURI="http://d-nb.info/gnd" authority="GND"
                               dbkey="10400097X">Ulrich Malert</persName>
                  </respStmt>
               </titleStmt>
               <editionStmt>
                  <edition>Reprint der Erstausgabe Leipzig 1849</edition>
               </editionStmt>
               <pubStmt>
                  <respStmt/>
                  <address/>
                  <identifier type="ordernumber">Breitkopf & Härtel 8307</identifier>
                  <availability>
                     <useRestrict>Copyright 1991 by Breitkopf & Härtel, Wiesbaden</useRestrict>
                  </availability>
               </pubStmt>
               <physDesc/>
               <seriesStmt/>
               <classification/>
               <contents/>
            </source>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <workDesc/>
   </meiHead>
   <music>
      <!--- Codierung des eigentlichen Notentexts -->
   </music>
</mei>      

Mittlerweile existieren eine Reihe von Mappingmöglichkeiten zwischen MEI und anderen Datenformaten, so etwa von MARC nach MEI, von Humdrum **kern nach MEI, von MEI nach ABC, von MEI nach MusicXML oder von MEI nach Dublin Core. Diese Mappings befinden sich teilweise noch in der Entwicklung und sind daher noch nicht vollständig über die MEI-Website abrufbar.

Die Codierung der Musik erfolgt im music-Bereich. MEI bietet hier mit Hilfe der Elemente <facsimile>, <performance>, <front>, <body>, <back> und <group> verschiedene Möglichkeiten der strukturierten Erfassung von musikalischen Daten. Dabei dienen die Elemente <facsimile> und <performance> zur Einbindung bzw. Verlinkung auf externe Quellen wie etwa Faksimiles oder Aufführungen. (front/back) Mit Hilfe des Elements <group> lassen sich mehrere musikalische Einheiten zusammenfassen. Dabei bleibt offen, wie eine solche Einheit zu definieren ist. Die Erfassung der eigentlichen musikalischen Daten (also der musikalischen Notate) erfordert das <body>-Element, das wiederum ein oder mehrere musical divisions (<mdiv/>) beinhalten kann. Innerhalb einer solchen musical division ist es dem Nutzer erlaubt, einzelne Stimmen (<parts/>) oder ganze Partituren (<score/>) zu codieren. Angaben zum Schlüssel sowie zur Tonart und Taktart des musikalischen Stückes werden vor Beginn der Notenauszeichnung in einer sogenannten score definition (<scoreDef/>) codiert (vgl. Z.5–17). Innerhalb einer einzigen Datei können sowohl die Partitur als auch die einzelnen Stimmen erfasst werden. Innerhalb des <score/>-Elements repräsentieren mehrere <staff/>-Elemente die einzelnen Stimmen. Zu jeder Stimme gehört eine eigene staff definition (<staffDef/>), die die Basisinformationen zur Taktart, zum Schlüssel (Art und Platzierung des Schlüssels) sowie die Vorzeichnung definiert. Einzelne staff definitions lassen sich zu Gruppen zusammenfassen, also etwa die zwei Systeme einer Klavierbegleitung oder die Streicherstimmen.

Die einzelnen Takte eines Notentextes erfordern zunächst ein <section>-Element (vgl. Z. 18), mit dem der Text in ein oder mehrere Einheiten eingeteilt werden kann. Grundsätzlich werden Notentexte in MEI taktweise und innerhalb der einzelnen Takte stimmenweise erfasst. Jedes <section>-Element beinhaltet daher eine bestimmte Anzahl an <measure>-Elementen. Die einzelnen Takte können mit einer Zählung versehen werden (vgl. etwa Z. 53: <measure n="1">). Gleiches gilt für die einzelnen Systeme, von denen hier drei in den <staff>-Elementen n="1" bis n="3" erfasst werden. Das <layer>-Element (vgl. etwa Z. 21) dient zur Codierung einzelner Stimmen innerhalb eines Systems. Dabei ist mindestens ein <layer>-Element erforderlich, beliebig viele weitere können hinzugefügt werden. Im <layer>-Element enthalten sind die Codierungen der einzelnen Noten (<note/>), die jeweils durch Attribute spezifiziert werden. So enthält ein <note>-Element standardmäßig meist ein Attribut @pname für den Namen des Tons, ein Attribut @oct für die Tonhöhe oder ein Attribut @dur für den Notenwert. Es sind noch eine Reihe weiterer Attribute zur näheren Beschreibung einer Note vorhanden, doch sollen diese aus Gründen der Übersichtlichkeit hier nicht näher beschrieben werden. Wie sich etwa an den Zeilen 102 bis 107 erkennen lässt, können in MEI z.B. Akkorde sehr einfach erfasst werden, indem ein <chord>-Element um die zum Akkord gehörigen Noten geschachtelt wird. Dieses Prinzip greift u.a. auch bei der Balkensetzung (<beam/>) (vgl. dazu Z. 108 bis 119). Textunterlegung kann in MEI auf verschiedene Weisen erfolgen, von denen im nachfolgenden Beispiel lediglich eine aufgeführt wird. Durch die Codierung eines <verse>-Elements innerhalb eines <note>-Elements kann der Text hier direkt einer Note zugewiesen werden. Das <verse>-Element kann je nach Verszahl beliebig oft wiederholt werden. Die einzelnen Silben werden innerhalb eines <syl>-Elements im <verse>-Element codiert (vgl. dazu etwa die Z. 22 bis 35). Im Bereich der CMN kann MEI so ziemlich jedes musikalische Phänomen erfassen. So sind etwa differenzierte Codierungsmöglichkeiten für die Erfassung von Bogensetzung, Dynamikangaben oder Crescendo- und Decrescendo-Gabeln vorhanden (vgl. dazu etwa Z. 48 bis 51). Darüber hinaus gibt es Layout-Parameter, die dafür vorgesehen sind, musikalische Phänome (sofern erforderlich) genau zu positionieren. 

Beispiel für die Codierung des Notentextes in MEI
<music>
   <body>
      <mdiv n="1">
         <score>
            <scoreDef>
               <pgHead>
                  <title>KINDERLIEDER<lb/>(<persName authority="GND" authURI="http://d-nb.info/gnd" dbkey="118552589">August Heinrich Hoffmann von Fallersleben</persName>.)</title>
                  <title>1.<lb/>DER ABENDSTERN</title>
               </pgHead>
               <staffGrp symbol="line">
                  <staffDef n="1" label="Singstimme" lines="5" meter.count="2" meter.unit="4" clef.shape="G" clef.line="2" key.sig="3s"/>
                  <staffGrp label="Pianoforte" symbol="brace">
                     <staffDef n="2" lines="5" meter.count="2" meter.unit="4" clef.shape="G" clef.line="2" key.sig="3s"/>
                     <staffDef n="3" lines="5" meter.count="2" meter.unit="4" clef.shape="F" clef.line="4" key.sig="3s"/>
                  </staffGrp>
               </staffGrp>
            </scoreDef>
            <section>
               <measure n="0" metcon="false">
                  <staff n="1">
                     <layer>
                        <note pname="a" oct="4" dur="8">
                           <verse n="1" label="V. 1.">
                              <syl>1. Du</syl>
                           </verse>
                           <verse n="2" label="V. 2.">
                              <syl>Wie</syl>
                           </verse>
                           <verse n="3" label="V. 3.">
                              <syl>So</syl>
                           </verse>
                           <verse n="4" label="V. 4.">
                              <syl>Wie</syl>
                           </verse>
                        </note>
                     </layer>
                  </staff>
                  <staff n="2">
                     <layer>
                        <note pname="a" oct="4" dur="8"/>
                     </layer>
                  </staff>
                  <staff n="3">
                     <layer>
                        <note pname="a" oct="3" dur="8"/>
                     </layer>
                  </staff>
                  <slur tstamp="0.5" curvedir="below" dur="1m+2.5" staff="2"/>
                  <dynam place="below" tstamp="0.5" staff="1">p</dynam>
                  <dir place="above" staff="1" tstamp="0">Langsam.</dir>
                  <dynam place="below" tstamp="0.5" staff="2">p</dynam>
               </measure>
               <measure n="1">
			      <staff n="1">
     		         <layer>
					    <note pname="c" oct="5" dur="4">
 	                       <verse n="1">
					          <syl con="d" wordpos="i">lieb</syl>
						   </verse>
 						   <verse n="2">
                              <syl>lieb'</syl>
					       </verse>
						   <verse n="3">
						      <syl>blick'</syl>
						   </verse>
						   <verse n="4">
						      <syl>nickst</syl>
						   </verse>
                        </note>
						<note pname="b" oct="4" dur="8">
						   <verse n="1">
							  <syl con="d" wordpos="m">li</syl>
						   </verse>
						   <verse n="2">
    					      <syl>ich</syl>
						   </verse>
						   <verse n="3">
 						      <syl>ich</syl>
						   </verse>
						   <verse n="4">
						      <syl>du</syl>
						   </verse>
						</note>
						<note pname="a" oct="4" dur="8">
						   <verse n="1">
						      <syl wordpos="t">cher</syl>
						   </verse>
						   <verse n="2">
					          <syl>doch</syl>
						   </verse>
						   <verse n="3">
						      <syl>nach</syl>
						   </verse>
						   <verse n="4">
						      <syl>mir</syl>
						   </verse>
						</note>
					 </layer>
				  </staff>
				  <staff n="2">
				     <layer>
					    <chord dur="4">
						   <note pname="c" oct="4"/>
						   <note pname="e" oct="4"/>
						   <note pname="a" oct="4"/>
						   <note pname="c" oct="5"/>
						</chord>
						<beam>
						   <chord dur="8">
						      <note pname="d" oct="4"/>
							  <note pname="e" oct="4"/>
							  <note pname="g" oct="4"/>
							  <note pname="b" oct="4"/>
						   </chord>
						   <chord dur="8">
						      <note pname="e" oct="4"/>
							  <note pname="a" oct="4"/>
						   </chord>
						</beam>
					 </layer>
			      </staff>
				  <staff n="3">
				     <layer>
					    <chord dur="4">
						   <note pname="a" oct="2"/>
						   <note pname="e" oct="3"/>
						   <note pname="a" oct="3"/>
						</chord>
						<beam>
						   <chord dur="8">
						      <note pname="b" oct="2"/>
							  <note pname="e" oct="3"/>
						   </chord>
						   <chord dur="8">
						      <note pname="c" oct="3"/>
							  <note pname="e" oct="3"/>
							  <note pname="a" oct="3"/>
						   </chord>
						</beam>
			         </layer>
			      </staff>
			   </measure>
               ...

Eine Dokumentation des Codierungsformats liegt mit den MEI Guidelines vor, die über die Website der Music Encoding Initiative online verfügbar sind und auch als PDF abgerufen werden können. Weitere Hilfestellungen zum Umgang mit MEI in der Praxis bieten die Online-Tutorials MEI 1st, die ebenfalls auf der Website zur Verfügung stehen. Weitere MEI-Beispielcodierungen finden sich auf der Website unter dem Menüpunkt DokumentationDas Format wird durch die Community beständig weiter entwickelt. Es wurde eine internationale Mailingliste MEI-L eingerichtet, auf der aktuelle Themen diskutiert werden.



1 Vgl. dazu:  http://music-encoding.org/about/history.

2 Das Beispiel wurde im Rahmen des DFG/NEH-Projekts Digital Music Notation Data Model and Prototype Delivery System erstellt; zur vollständigeren Wiedergabe vgl. Anhang 7.4 MEI Beispiel.

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