Child pages
  • Informationsdienst der Evangelischen Allianz (idea)
Skip to end of metadata
Go to start of metadata

260 Ziel, Interesse oder Aufgabe

Der evangelische Nachrichtendienst wurde 1970 von Repräsentanten aus Landes- und Freikirchen zum Zweck einer ausgleichenden evangelischen Berichterstattung gegründet. Grund dafür war das Unbehagen der evangelikalen Protestanten, dass im Evangelischen Pressedienst (epd) zu wenig über evangelikale Belange berichtet wurde. Helmut Matthies formuliert 1976 dazu: "War idea ursprünglich nur als Ergänzung von epd gedacht, so hat es sich unter seinem verantwortlichen Redakteur Rolf Hille in Teilbereichen der Berichterstattung zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz entwickelt. Die auf massive Kirchensteuerzahlungen gestützte Monopolstellung des epd wurde durch idea erstmals wirksam durchbrochen. [...] Heute ist idea in einigen Bereichen bereits ein nicht mehr wegzudenkendes Korrektiv zur landes- oder gesamtkirchlichen Publizistik." (Matthies, Kirchliche Presse auf Linkskurs, 110f).

Nach Dettmar (91) können drei Phasen für die Frühzeit von idea unterschieden werden:

  • 1970 – 1974: Gruppenorientiert werden kleine evangelikale Veranstaltungen wahrgenommen. Der Pressedienst versteht sich vornehmlich als Informationsorgan nach innen für evangelikal gesinnte Gruppen und Einzelne: "Der journalistische Stil trat hinter die evangelistisch-missionarische Sache zurück." (Dettmar, 91)
  • 1974 – 1976: Schritte in die Öffentlichkeit folgen mit der Einstellung von Rolf Hille als erstem festangestelltem Redakteur. Idea profiliert sich durch vom epd abweichende Stellungnahmen zu öffentlich-politischen Themen, wie etwa der Diskussion um den §218, der Wehrpolitik oder der Lebensgestaltung. Der Dienst findet zur eigenen Identität, die Eigenständigkeit neben epd beansprucht.
  • 1976/77 – Mitte 1980er: Mit der Einstellung von Helmut Matthies wurde idea professionalisiert und man fasste "das ganze Spektrum evangelischer Kirchlichkeit als Quelle und Adressat ins Auge. Man verstand sich nicht nur mehr als komplementärer Dienst, sondern auch als Alternative zu epd." (ebd.) Diese Entwicklung bedeutete eine zunehmende Spaltung im publizistischen aber auch gesamtkirchlichen Raum, denn es musste das Verhältnis der Evangelikalen zur verfassten Kirche geklärt werden.

Der Nachrichtendienst und die Wochenzeitung erreichten ein Publikum bibeltreuer und evangelikaler Christen aus dem landeskirchlichen und freikirchlichen Spektrum und war damit gewissermaßen ein überkonfessionelles Organ. Dabei gilt zu beachten, "dass 'ideaSpektrum' wie jede andere Zeitschrift als Multiplikator spezieller und nicht als Adaptionsmedium der gängigen Meinungen 'an der Basis' wirkte. Die Monopolstellung, die die Zeitschrift inne hatte und an die bis heute keine andere evangelikale Zeitschrift heranreicht, ermöglichte es den Herausgebern, eine sowohl vereinheitlichende als auch polarisierende Berichterstattung zu präsentieren." (Bauer, Evangelikale Bewegung, 646). idea selbst kann auch als ein Medium wahrgenommen werden, das selbst definierende Kräfte entwickelt und dazu führte, den evangelikalen Bereich in seiner Pluralität zu homogenisieren, wogegen sich einzelne Akteure wiederum zur Wehr setzen (vgl. Bauer, Evangelikale Bewegung, 647).

4208 Geschichtliche Stationen und Daten

  • 1970 Gründung (zeitgleich mit der Konferenz der bekennenden Gemeinschaften) durch Fritz Laubach und Friedhelm Jung
  • Vorbild für die Gründung war Billy Grahams Großevangelisation 1970, die einen Informationsdienst namens "Euro 70" organisiert hatte (vgl. Bauer, Evangelikale Bewegung, 644)
  • idea erschien in den ersten Jahren unregelmäßig etwa ein bis dreimal in der Woche
  • die Mitarbeiter nutzten die Räume des Evangeliumsrundfunks in Wetzlar
  • 1974 wird als erster festangestellter Redakteur Rolf Hille angestellt
  • 1976 folgt Ingrid Kastelan als Chefredakteurin, eine ehemalige Journalistin des epd (vgl. Dettmar, Interesse und Information, S. 89), sie ist bis 1978 bei idea. (vgl. idea 47/80, S. A) 
  • 1976 wird Helmut Matthies als Redakteur eingestellt und forciert journalistischen Stil (vgl. ebd.)
  • 1978 vergleichende Studie zu idea und epd, von idea in Auftrag gegeben
  • 1978 wird als Redakteur Wolfgang Thielmann (Journalist und Pastor einer Freikirche) angestellt
  • 1978 lehnt die EKD eine Finanzierung von idea ab. (vgl. Hafenbrack, Geschichte des Evangelischen Pressedienstes, 588)
  • ab 1979 erscheint die Wochenzeitschrift "ideaSpektrum" und monatlich "ideaDokumentation"
  • 1981 Tagung in Wetzlar zum Thema "Neue Medien - neue evangelistische Akzente"
  • 1981 wird der Trägerkreis auf 31 Mitglieder erweitert
  • seit 1993 Untertitel "evangelische Nachrichtenagentur" (vgl. Winterhager, Gegen den Strom, 171)

Netzwerk

500 Kimmich, Erika (Vereinsunterstützerin)

500 Marquardt, Horst

500 Matthies, Helmut (Leiter ab 1978)

500 Mann, Wilfried (Vorstand idea, Vorsitzedender Missionsbund "Licht im Osten")

500 Heimbucher, Kurt (Vorstand idea, Präses der Vereinigunq Landeskirchlicher Gemeinschaften (Gnadauer Verband))

500 Scheffbuch, Winfried (Vorstand idea, Direktor des Missionshauses Bibelschulde Wiedenest)

500 Schrupp, Ernst (Vorstand idea, freikirchlicher Publizist, Schriftleiter der baptistischen Zeitschrift "Die Gemeinde")

500 Müller, Wolfgang (Vorstand idea, Vorsitzender der DEA)

500 Otto, Manfred (Vorstand idea, Bundesdirektor DEA)

500 Hille, Rolf (erster festangestellter Redakteur ab 1974)

500 Thielmann, Wolfgang (Redakteur, ab 1978)

500 Kastelan, Ingrid (Redakteurin nach Rolf Hille, 1976 - 1978)

500 Rumler, Gerd (nebenamtlicher Redakteur)

510 Gemeinschaftswerk der evangelischen Publizistik (GEP) (Konkurrent und personelle Verflechtungen)

510 epd - Evangelischer Pressedienst (Konkurrenz bzw. Bezugspunkt)

510 Konferenz Evangelikaler Publizisten (KeP) (Herausgeber)

510 Deutsche Evangelische Allianz

Publikationen

Veröffentlichungen über die Institution

730 Bauer, Gisa: Evangelikale Bewegung und evangelische Kirche in der Bundesrepublik Deutschland. Geschichte eines Grundsatzkonflikts (1945 bis 1989), Göttingen 2012, 644 – 647.

730 Dettmar, Volker: Interesse und Information. Vergleich der Presseagenturen "Evangelischer Pressedienst" und "Informationsdienst der Evangelischen Allianz", Frankfurt a.M. u.a. (Reihe XL Kommunikationswissenschaft und Publizistik) 1994.

730 Hafenbrack, Hans: Geschichte des Evangelischen Pressedienstes. Evangelische Pressearbeit von 1848 bis 1981, Bielefeld 2004, 583 – 592.

730 Matthies, Helmut: Kirchliche Presse auf Linkskurs, in: Motschmann, Jens & Matthies, Helmut (Hg.): Rotbuch Kirche, Stuttgart 1976, 95 – 115.

730 Winterhager, Wilhelm Ernst: Gegen den Strom. 'idea' - zwei Jahrzehnte kirchliche Alternativpublizistik, in: Matthies, Helmut (Hrsg.): Die Medien-Herausforderung. Christen und die Publizistik, Gießen 1994, 156 – 172.

Internetressourcen

https://www.idea.de

100 Name: Informationsdienst der Evangelischen Allianz

410 Abkürzung: idea

006 DNB-Link: http://d-nb.info/gnd/2064568-5

Eingehende Verknüpfungen

Kimmich, Erika
Matthies, Helmut