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3.1 Überblick

Die Zuordnung der Archäologie entweder zum kunstwissenschaftlichen oder dem geschichts- und kulturwissenschaftlichen Fachbereich an den Universitäten deutet bereits darauf hin, dass das methodische Vorgehen bzw. die Forschungsschwerpunkte in dieser Wissenschaft breit gefächert sind1. Man kann zudem nicht von der Archäologie sprechen, sondern nur von den Archäologien, da eine Vielzahl von Kulturkreisen mit archäologischen Methoden untersucht werden, aber aufgrund ihrer Verschiedenheit jeweils andere Herangehensweisen erfordern. Beeinflusst durch die Entwicklung der “New Archaeology” in der amerikanischen und britischen prähistorischen Forschung, entstanden hochspezialisierte, verwandte Wissenschaften wie die Archäobotanik, Archäozoologie, Bauforschung, Unterwasserarchäologie oder Spatial archaeology. Des Weiteren fanden Methoden aus der Anthropologie und Soziologie Eingang in den Methodenkanon der Archäologie. Wenn man also über Standardisierung in den Archäologien diskutiert, wird deutlich, dass die Archäologien sich aus Standards anderer Disziplinen bedienen und diese auf ihre Bedürfnisse hin modifizieren.

In den Archäologien wurden deshalb verschiedene Metadatenstandards entwickelt, die für bestimmte Aufgaben optimiert sind, z.B. für die Grabungsdokumentation (Befund, Funde, Vermessungsdaten etc.) oder Objektbeschreibung. Häufig orientieren sich die zugrundeliegenden Datenmodelle für die Dokumentation an projekt- bzw. institutionenspezifischen Forschungs- und Aufgabenschwerpunkten.

Aufgrund der Öffnung der Archive für die überregionale Forschung und Nachnutzung der Forschungsdaten initiiert durch Förderrichtlinien, die die Digitalisierung und den Austausch von Forschungsdaten fördern, und des Weiteren durch das Outsourcing von Grabungsaufträgen an private Grabungsfirmen, entstand in den letzten Jahren zunehmend der Druck, nationale Lösungen für die Standardisierung bei der Datenerfassung archäologischer Forschung zu finden. Ergebnisse dieser Entwicklung sind Standardisierungsaktivitäten für Austauschformate von Daten und Grabungsberichten wie ADex und dem MIDAS Heritage framework oder auch der Dutch Archaeology Quality Standard, der Richtlinien für das Berichtswesen für Grabungsfirmen definiert. Die Landesdenkmalpflegeämter in Deutschland haben vergleichbare Richtlinien für die Dokumentation von Grabungen herausgegeben2:

Damit liefern diese Richtlinien bereits Standards für den Datenerhebungsprozess der Grabung in den Archäologien. Ihren Niederschlag finden diese Daten bisher in Grabungsberichten, Grabungstagebüchern, Karten von Plana, in fotografischer und zeichnerischer Dokumentation, in Karten zu geomagnetischer Prospektion u.a., die aber bisher nicht in digitaler Form und zum Schutz der Fundstätten auch nicht ohne Zugriffskontrolle zugänglich gemacht werden können. Weiterhin wird deutlich, dass aufgrund der förderalen Struktur jedes Bundesland eigene Richtlinien herausgibt.

In den USA entwarf David Schloen die Ontologie OCHRE (Online Cultural Research Environment), die für verschiedene altertumswissenschaftliche Projekte zur Datenmodellierung genutzt wird. Ein Teilausschnitt aus dessen Datenstruktur wird im Metadatenformat ArchaeoML für das Projekt Open Kontext genutzt. Open Context entwickelt eine webbasierte Open-Access-Plattform für die Organisation, den Zugang zu und die Anreicherung archäologischer Daten, bisher mit dem Fokus auf amerikanische Projekte.

Viele Fundobjekte sind in die Sammlungen von Museen überführt worden und unterliegen hier den Dokumentationsstandards aus der Museologie. In Deutschland erarbeitete die Fachgruppe Dokumentation im Deutschen Museumsbund das Harvestingformat museumdat, angelehnt an das in den USA vom J. Paul Getty Trust mit ARTstor entwickelte CDWA lite. In Großbritannien hat sich SPECTRUM durchgesetzt, das sowohl Richtlinien für die Prozesse im Museumsmanagement bietet, als auch dazu passend ein Metadatenformat aufweist. Unter Leitung von Collection Trust wird SPECTRUM weiterentwickelt.

Im Zuge der Internationalisierung von Forschungsprojekten sind nun weitere Standards für Austauschformate auf europäischer und internationaler Ebene definiert worden. Im Projekt CARARE (Connecting ARchaeology and ARchitecture in Europeana) entstand der gleichnamige Standard CARARE für den Datenaustausch zu archäologischen Objekten und Denkmälern mit Europeana. Das Metadatenformat LIDO (Lightweight Information Describing Objects) führt auf internationaler Ebene Standards der Museumsdokumentation zusammen und ist konform zur Ontologie CIDOC-CRM (CIDOC object-oriented Conceptual Reference Model) für Kulturelle Überlieferung, die von der Fachgruppe Dokumentation des Komitees des internationalen Museumsverbandes (ICOM) entwickelt wurde.

Vielfach sind in der Archäologie Standards bzw. Richtlinien zur Erfassung von Forschungsdaten und -prozessen bereits vorhanden, diese sind aber noch nicht digital auswertbar, da sie bisher keinen Eingang in Metadatenformate (siehe Grabungsdokumentationsrichtlinien) gefunden haben. Das Projekt ARIADNE (Advanced Research Infrastructures for Archaeological Dataset Networking in Europe) stellt zwei umfangreiche Berichte zu den Metadatenstandards, Normdaten, Thesauri und Projektregistern seiner Projektpartner zur Verfügung, der die hier zusammengestellte Liste an Standards ergänzt.

3.3 Musikwissenschaft


1 Einführende Literatur zur Notwendigkeit von Standards in der Archäologie, siehe: J.D. Richards, "From anarchy to good practice: the evolution of standards in archaeological computing", in: Archeologia e Calcolatori, 2009, http://eprints.whiterose.ac.uk/10707/ sowie J. David Schloen, "Archaeological Data Models and Web Publication Using XML", in: Computers and the Humanities, 2001, http://www.springerlink.com/content/jk1q91115506k6j5/abstract/.

2 Als grundlegende Literatur für sämtliche Richtlinien in der Grabungsdokumentation, siehe: Jörg Biel, Dieter Kling (Hg.), Handbuch der Grabungstechnik, Stuttgart 1994.

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