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  • Weltkonferenz für Kirche und Gesellschaft, Genf 1966
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260 Ziel, Interesse oder Aufgabe

Gesamtthema: „Christen leben in der technischen und gesellschaftlichen Revolution unserer Zeit“

Der Konferenzzweck war die Begegnung von Theologie und Sozialwissenschaften. Damit verbunden waren zwei Hauptthemen (vgl. ÖRK, Zentralausschuss. Protokoll und Berichte der 18.Tagung, Genf 1965. 131f.), zitiert nach Widmann, S. 79)

  1. „Theologische Probleme in der Sozialethik“: 1. Wie können Christen das Handeln Gottes in Christus in der Geschichte erkennen? [...] 2. Gibt es soziale Prinzipien und Formen menschlicher Existenz, die zeitlos gültig sind, oder muss das christliche Evangelium primär in den Begriffen einer schöpferischen Freiheit [...] ausgelegt werden? [...] 3. Da die Kirchen in einer Vielzahl verschiedenartiger Situationen leben, die eine Vielfalt von sozialethischen Entscheidungen bedingen, [...] erhebt sich die Frage nach der Bedeutung einer weltweiten christlichen Diskussion über [...] die Einheit und Universalität des kirchlichen Zeugnisses gegenüber der Welt. 4. Wie haben die revolutionären Veränderungen unserer gegenwärtigen Welt die christliche Nachfolge [...] beeinflusst [...]? Welchen Einfluss haben sie auf unseren christlichen Glauben – negativ oder positiv? Welche Elemente des Evangeliums sind wir in Gefahr zu verlieren, und welche können wie jetzt ganz neu verstehen?“ 
  2. „Fünf Probleme der gegenwärtigen Gesellschaft": 1. Das Ringen um wirtschaftliche Gerechtigkeit und soziale Wohlfahrt in einer weltweiten Perspektive; 2. Die Aufgaben und Grenzen des Staates in einem revolutionären Zeitalter; 3. Möglichkeiten und Probleme der technischen Wandlungen; 4. Personen und Gemeinwesen in pluralistischen, säkularisierten und offenen Gesellschaften; 5. Zusammenleben in einer pluralistischen Welt – Strukturen internationaler Zusammenarbeit“


Auf der Tagung selbst wurde die von Richard Shaull entwickelte "Theologie der Revolution" zu einem prägenden Thema. Shaull selbst war dabei von Reinhold Niebuhr (Christian Realism) und Paul L. Lehman („Kontextualismus“) beeinflusst worden. Eine Parallele hat die 'Theologie der Revolution' in der von Jürgen Moltmann entworfenen 'Theologie der Hoffnung'. Shaulls Ansatz traf auf den ÖRK-Ansatz der 'Verantwortlichen Gesellschaft' (Wendland) und stieß eine theologische Debatte an. Seit dem Herbst 1965 liefen bei der EKD die Vorbereitungen, welche vornehmlich von Wendlands Institut für Christliche Gesellschaftswissenschaften unter Wendland und mit seinen Mitarbeitern Rendtorff, Trutz und Ringeling, Hermann übernommen wurden.

"In der Entwicklung der Ökumenischen Versammlungen insgesamt kann Genf als eine der Wurzeln des Aufgreifens der Befreiungstheologie durch die Ökumenische Bewegung gesehen werden, welche dadurch weltweiten Aufschewung erfuhr. Mit der eigenmächtigen Auswahl der insgesamt 420 Teilnehmer gewährleistete der ÖRK-Stab eine von Laien unterschiedlichster Berufs- und Konfessionszugehörigkeit mehrheitlich besuchte Studienkonferenz, bei der die (Sub)Kontinente Afrika, Asien und
Lateinamerika in gleicher Stärke repräsentiert waren wie Nordamerika und (West)Europa." (Widmann, S.87)

Die Themen "legitime Gewalt" und Religion als Revolution gingen in die protestantischen Initiativen in der Bundesrepublik ein (Kirchentag, Studentengemeinden, Akademien) und beschäftigten auch die Kammern der EKD. Auch der christlich-marxistische Dialog hatte durch die Weltkonferenz Auschwung bekommen. Die deutschen Diskussion wurden durch die Vorbereitungen zum Antirassismus-Programm des ÖRK in den Folgejahren weiter angefeuert.

Das Bild eines kämpferischen Linksprotestantismus entstand in den späten sechziger Jahren in der Bundesrepublik nicht zuletzt aufgrund der Genfer Entwicklungen.

4208 Geschichtliche Stationen und Daten

12.-26.07.1966: Tagung der Weltkonferenz für Kirche und Gesellschaft, Genf

Netzwerk

510 Ökumenischer Rat der Kirchen

500 Wendland, Heinz-Dietrich

500 Shaull, Richard

Publikationen

Eigene Publikationen

692 Appell an die Kirchen der Welt. Dokumente d. Weltkonferenz für Kirche und Gesellschaft, Stuttgart 1966.

Veröffentlichungen über die Institution

730 Alexander Christian Widmann, Wandel mit Gewalt? Der deutsche Protestantismus und die politisch motivierte Gewaltanwendung in den 1960er und 1970er Jahren (Arbeiten zur kirchlichen Zeitgeschichte : Reihe B, Darstellungen 56), Göttingen 2013. Vgl. insbesondere S. 78-160.

730 Annegreth Strümpfel: "Theologie der Hoffnung - Theologie der Revolution - Theologie der Befreiung". Zur Politisierung der Theologie in den "langen sechziger Jahren" in globaler Perspktive. In: Klaus Fitschen; Siegfried Hermle; Katharina Kunter; Claudia Lepp; Antje Roggenkamp-Kaufmann (Hgg.), Die Politisierung des Protestantismus, Göttingen 2010, S. 150-167.

730 Stefan Grotefeld (Hg.), Quellentexte theologischer Ethik. Von der Alten Kirche bis zur Gegenwart, Stuttgart 2006, S. 428-431.

100 Name: World Conference on Church and Society

006 GBV-Link: http://d-nb.info/gnd/5202259-6

Eingehende Verknüpfungen

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