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  • Sozialforschungsstelle an der Universität Münster in Dortmund
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260 Ziel, Interesse oder Aufgabe

Die Sozialforschungsstelle an der Universität Dortmund mit Sitz in Münster gehört zu den größten außeruniversitären soziologischen Forschungseinrichtungen, die maßgeblich zur Etablierung der empirischen Sozialforschung in der Bundesrepublik beitrug. Gründungsdirektor Otto Neuloh wollte mit den Mitteln der empirischen Sozialforschung "Grundlagenforschung für eine neue Sozialpolitik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts betreiben." Schwerpunkt des Programms sollte die anwendungsorientierte empirische Sozialforschung sein. Bereits 1945 entwickelte Neuloh Pläne zum Aufbau eines Sozialforschungsinstituts, das den Aufbau einer sozialen Neuordnung begleiten und unterstützen sollte. Im Gegensatz zu einer "Sozialpolitik von oben" zielten seine Bemühungen auf die Errichtung eines "Frühwarnsystems", das durch empirisch erarbeitete Befunde vorsorglich Konfliktpotentiale ermittelte. Neuloh nannte dies eine "präventive" und "offene Sozialpolitik von unten". Besonders wichtiger Forschungsgegenstand war der industrielle Betrieb mit seinen Interdependenzen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Nicht zuletzt betonte er den Dienstleistungscharakter und plädierte für einen "Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Praxis." Die Sozialforschungsstelle war gewissermaßen als "systemstabilisierendes ..., sozialtherapeutisch wirkendes Instrument" gedacht. Die künftigen Sozialforscher sollten "Ärzte des sozialen Lebens" sein (Zitate nach: Adamski, Ärzte des sozialen Lebens, S. 33-35).

In den frühen 50er Jahren standen thematisch eher kurzfristig angelegte Untersuchungen im Zentrum, die sich mit ökonomischen und sozialen Problemen und partiellen Aspekten des sozialen und ökonomischen Lebens (z.B. Vertriebenenfragen, Mitbestimmungsfrage, Arbeitsleben im Betrieb etc.) befassten. Mit dem neuen Institutsdirektor Helmut Schelsky, der 1960 Direktor der Forschungsstelle wurde, veränderte sich die Ausrichtung; Schelsky erklärte die Phase einer unmittelbar angewandten empirischen Sozialforschung für beendet und forderte eine stärker theoretisch ausgerichtete Grundlagenforschung. Mehrere Abteilungsleiter wie Gunther Ipsen und Otto Neuloh verließen mit Schelskys Amtsantritt die Forschungsstelle. Unter Schelsky wurde der Ausbau der Forschungsstelle institutionell vorangetrieben. Spätere Forschungsschwerpunkte waren die Veränderungen im Arbeitsleben, die Themen Betriebssoziologie, Gemeindesoziologie und Stadtsoziologie, aber auch volkskundliche Forschungsschwerpunkte. Die Dortmunder Sozialforschungsstelle gilt auch als Sammelbecken für NS-belastete Soziologen (sog. Sammelbeckentheorie). Auch Pfeil, Elisabeth fügt sich in die Sammelbeckentheorie ein. Überproportional stark waren Angehörige der sog. Leipziger Schule vertreten, darunter Gunther IpsenWilhelm BrepohlHelmut Schelsky. (Hierzu: Adamski, Ärzte des sozialen Lebens, S. 128).

4208 Geschichtliche Stationen und Daten

1946 Gründung

1960 Schelsky, Helmut wird Direktor; großer inhaltlicher und personeller Wechsel, der institutionelle Ausbau wird vorangetrieben

1969/1970 Anschluss an die Universität Universität Bielefeld

1972 in Dortmund ansässig, Neugründung als Landesinstitut

Netzwerk

510 Universität Münster (institutionelle Zugehörigkeit)

510 Universität Dortmund (institutionelle Zugehörigkeit)

510 Unversität Bielefeld (institutionelle Zugehörigkeit)

510 Max-Planck-Institut für Arbeitsphysiologie (enge Kooperationen, personelle Verflechtungen)

510 Evangelisches Soziallexikon (Kooperationen, konsultiert soziologische Expertise aus der Sozialforschungsstelle)

510 Sozialethischer Ausschuss der EKiR (Kooperationen, konsultiert soziologische Expertise aus der Sozialforschungsstelle)

510 Forschungsstelle für Volkstum im Ruhrgebiet (angeschlossenes Forschungsinstitut)

500 Weisser, Gerhard (Beiratsmitglied)

500 Karrenberg, Friedrich (kooperationen)

500 Neuloh, Otto (Gründungsdirektor)

500 Schelsky, Helmut (Direktor)

500 Ibsen, Gunther (Abteilungsleiter)

500 Pfeil, Elisabeth (Mitarbeiterin)

500 Brepohl, Wilhelm (Mitarbeiter)

500 Oppen, Dietrich von (Mitarbeiter)

500 Giersch, Herbert (Mitarbeiter)

Publikationen

Eigene Publikationen

692 Soziale Welt (Zeitweilig war die Zeitschrift "Soziale Welt" bei der Forschungsstelle angesiedelt)

Archivbestände

670 Archiv der Sozialforschungsstelle Dortmund, Findbuch online: http://www.sfs-dortmund.de/odb/Repository/Publication/Doc/1181/badf_band_166.pdf

Veröffentlichungen über die Institution

730 Adamski, Jens: Ärzte des sozialen Lebens. Die Sozialforschungsstelle Dortmund 1946–1969, Essen 2009.

730 Adamski, Jens: Zwischen Wissenschaft und Praxis. Die Dortmunder Sozialforschungsstelle und ihre regionalen Forschungsbezüge in den 1950er und 1960er Jahren, in: Westfälische Forschungen 60 (2010), S. 259-280.

730 Klingemann, Carsten: Soziologie und Politik: Sozialwissenschaftliches Expertenwissen im Dritten Reich und in der frühen westdeutschen Nachkriegszeit, Wiesbaden 2009.

730 Schnitzler, Sonja: Soziologie im Nationalsozialismus zwischen Wissenschaft und Politik. Elisabeth Pfeil und das "Archiv für Bevölkerungswissenschaft und Bevölkerungspolitik", Wiesbaden 2012.

730 Weischer, Chrisoph: Das Unternehmen "Empirische Sozialforschung". Strukturen, Praktiker und Leitbilder der Sozialforschung in der Bundesrepublik Deutschland, München 2004,  63 – 74.

100 Name: Sozialforschungsstelle an der Universität Münster in Dortmund

410 Abkürzung: SFS

006 DNB-Link: http://d-nb.info/gnd/1011297-2

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