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  • Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU)
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260 Ziel, Interesse oder Aufgabe der Institution

Die Ziele der CSU haben sich seit ihrem Entstehen 1945 lebhaft und in Teilen immer wieder aufs Neue grundlegend verändert, weshalb eine kompakte Darstellung dieser komplexen Ausgangslage in wenigen Sätzen praktisch nicht leistbar ist. Deshalb lässt sich an dieser Stelle die programmatische Entwicklung der CSU anhand ihrer verabschiedeten Programme selbst nachvollziehen.

Grundsatzprogramme/Programme

Als spezifische Gruppe verfolgten die protestantischen Akteure innerhalb der CSU, die sich bei der Gründung und später - insbesondere im Evangelischer Arbeitskreis der CDU und CSU (EAK) engagiert haben, vorwiegend das Ziel, den evangelischen Bevölkerungsteil für die aktive politische Arbeit in der CSU zu mobilisieren. Sie wollten dazu die CSU, trotz des katholischen Übergewichts, zu einer Plattform der politischen Betätigung für Protestanten machen.

4208 Geschichtliche Stationen und Daten

  • 1945 Gründungen regionaler CSU-Gruppen in Bayern
  • 08.01.1946 Vereinigung der einzelnen regionalen Parteigruppen in einem Landesverband
  • 14./15.12.1946 Verabschiedung des ersten Grundsatzprogramms 
  • 21.12.1946 – 14.12.1954 Führung der bayerischen Staatsregierung
  • 16.10.1957 – heute Führung der bayerischen Staatsregierung

Mit der offiziellen Lizensierung der Christlich-Sozialen Union Bayern e.V. (CSU) am 08. Januar 1946 begann offiziell die Geschichte der CSU, die sich recht bald den Status der bayerischen Hegemonialpartei erarbeiten sollte. Sie regierte von 1966 bis 2008 in Bayern allein und war ab 1949 Partner der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU) in einer Fraktionsgemeinschaft im Bundestag (vgl. Sebald 2013: 222, 231, vgl. Weigl 2013: 469, 471, 484).

Die konfessionelle Spaltung der bayerischen Wählerschaft, die in der Weimarer Zeit eine bedeutende Rolle in der Politik des Freistaates spielte, sollte mit der Gründung einer interkonfessionellen Partei überwunden werden. Die interkonfessionelle Ausrichtung der CSU war jedoch gerade in der Anfangszeit, spätestens bis zum Parteivorsitz durch Hanns Seidel 1955, umkämpft. So bildeten sich in diesem Konflikt zwei Lager heraus – zum einen das Lager um Alois Hundhammer und Fritz Schäffer, das sich für eine Rückbesinnung auf die katholisch-konservative Tradition der Bayerischen Volkspartei (BVP) einsetzte – zum anderen das Lager um Josef Müller, welches für die Überwindung der konfessionellen Einseitigkeit einstand (vgl. Sebald 2013: 222, vgl. Weigel 2013: 469).

1955 übernahm Hanns Seidel den Parteivorsitz. Unter seiner Führung professionalisierte sich die Partei, indem beispielsweise die Stelle des Generalssekretärs geschaffen wurde und mit diesem 42 Bundeswahlkreisgeschäftsstellen. Des Weiteren gelang Seidel eine stärkere Bindung der regionalen und lokalen Verbände an die Parteizentrale (vgl. Weigel 2013: 470).

Franz Josef Strauß, der das Amt von Hanns Seidel 1961 übernahm, setzte die Parteistrukturreformen fort. Auch programmatisch verschärfte die CSU in den 1960er Jahren ihr Profil. Der von ihr schon vor den Sechzigern propagierte Mittelweg zwischen Liberalismus und Sozialismus, der in der Befürwortung der Sozialen Marktwirtschaft mündete, wurde um die Vorstellung erweitert, dass der Sozialstaat eine Solidargemeinschaft sei, aber die Eigenverantwortung der Bürger betont werden müsse (vgl. Weigel 2013: 470, 479).

Mit Strauß profilierte sich die CSU zudem auch stärker als Volkspartei und es gelang ihr, alle anderen Parteien, die Wähler aus dem konservativ-ländlichen Wählerklientel schöpften, zu verdrängen und zusätzlich im weiteren Zeitverlauf auch vermehrt in liberal-deutschnationale sowie sozialdemokratische Wählermileus vorzudringen (vgl. Weigel 2013: 470, 485).

Mit der politischen Leitlinie, eine eigenständige Kraft in Deutschland und Europa darzustellen, entwickelte die CSU auch programmatisch den Anspruch, Sprachrohr des Föderalismus und der bayerischen Interessen im Bund zu sein (vgl. Weigel 2013: 470, 480). Diese konfrontative Haltung führte immer wieder zu Konflikten, insbesondere zwischen Helmut Kohl und Franz Josef Strauß. Die Spannung gipfelte 1976 in dem durch Strauß initiierten Kreuther Trennungsbeschluss, der die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU aufkündigte. Diese Aufkündigung wurde dann jedoch zeitnah wieder zurückgenommen, galt jedoch als Symbol des Selbstbewusstseins der CSU gegenüber der CDU (vgl. Weigel 2013: 470, 471). 1980 setzte sich Strauß gegen Helmut Kohl als Kanzlerkandidat durch, verlor jedoch die Wahl und damit auch seinen unionsinterenen Führungsanspruch (vgl. Sebald 2013: 222).

Nach dem plötzlichen Tod von Franz Josef Strauß im Jahr 1988 übernahm Max Streibl den Parteivorsitz, kam jedoch 1993 durch die „Amigo-Affäre“ zu Fall (vgl. Sebald 2013).

Die CSU kann als christliche Weltanschauungspartei eingeordnet werden. Dies wird vor allem bei der Betrachtung des programmatischen Profils der CSU deutlich. In diesem ist die christliche Ethik das zentrale Wertefundament, auf dem die Bewertung der historischen und politischen Situation sowie die daraus resultierenden Handlungsvorschläge fußen. Aus dieser christlichen Wertgebundenheit ergibt sich eine starke Kontinuität der Positionierung der Partei in ihren Programmen (vgl. Weigel 2013: 478, 479). Deutlich wird dies beispielsweise in der konsequenten Vertretung von Positionen gegen den Zeitgeist, wie zum Beispiel in der Abtreibungsdebatte (vgl. Sebald 2013: 227). Aufgrund der starken Betonung des christlichen Wertefundaments sind die Kontakte zur katholischen Kirche wie auch zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für die CSU traditionell von großer Bedeutung (vgl. Weigel 2013: 482).

Trotz des interkonfessionellen Charakters der Partei ist die CSU immer noch stark von Katholiken dominiert. So nimmt seit den 1960er Jahren der Anteil der Katholiken in der bayerischen Bevölkerung kontinuierlich ab und liegt inzwischen bei ca. 50 %, der Anteil der katholischen Mitglieder in der CSU liegt jedoch mit 77% weit darüber. Auch in der CSU-Landtagsfraktion sind Katholiken stark überrepräsentiert (Weigel 2013: 473, 488). So fällt es der CSU immer noch schwer, protestantische Wähler an sich zu binden. Trotzdem ist der sich in der Entwicklung der CSU stärker herausstellende interkonfessionelle Charakter sicherlich ein Grund dafür, dass sich in Bayern keine bürgerlich-protestantische Alternative neben der CSU im Parteiensystem etablieren konnte (vgl. Weigel 2013: 469).

 

Vorsitzende

1955 – 1961 Hanns Seidel

1961 – 1988 Franz Josef Strauß

1988 – 1999 Theo Waigel

1999 – 2007 Edmund Stoiber

2007 – 2008 Erwin Huber

seit 2008 Horst Seehofer

Netzwerk

510 Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

510 Evangelischer Arbeitskreis der CDU und CSU (EAK)

510 Abendländische Akademie (Eichstätt)

 

Publikationen

Eigene Publikationen

692 Christlich-Demokratische Union Deutschlands/Christlich-Soziale Union in Bayern: Die Unionsparteien 1946 - 1950. CDU, CSU Protokolle der Arbeitsgemeinschaft der CDU/CSU Deutschlands und der Konferenzen der Landesvorsitzenden, Düsseldorf 1991.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Gesundheitspolitisches Programm. verabschiedet vom Parteiausschuss, Ansbach, 13. Juli 1991, München 1991.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Heimat Bayern, Zukunft Deutschland, mit uns, CSU. Programm der Christlich-Sozialen Union zur Bundestagswahl am 2. Dezember 1990, verabschiedet durch den Parteiausschuss der CSU am 29. Oktober 1990, München 1990.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Kulturpolitisches Programm München 1990.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Informationsbrief / Christlich-Soziale Union in Bayern. Wehrpolitik, München 1990.

692 Christlich-Demokratische Union Deutschlands/Christlich-Soziale Union in Bayern: Die CDU-CSU im Frankfurter Wirtschaftsrat. Protokolle d. Unionsfraktion 1947 - 1949, Düsseldorf 1988.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: CSU. Porträt einer Partei, München 1988.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Kulturpolitisches Programm, München 1986.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Bilanz unserer Arbeit für München 1978 – 1984. Unsere Heimat. Dokumentation für die Kommunalwahlen am 18. März 1984, München 1984.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Das Wahlprogramm der CSU. Gemeinsam Deutschland in Ordnung bringen, München 1983.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Kulturpolitisches Programm, München 1982.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: CSU. Porträt einer Partei, München 1978.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Gesundheitspolitisches Programm, München 1977.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Kommunalpolitik der CSU. Verpflichtung und Auftrag , München 1977.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: CSU-Mandatsträger in München, München 1972.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Leitfaden für Kandidaten und Wahlhelfer, München 1971.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: CSU entschlossen, die Zukunft sichern. Wahlprogramm 1969, München 1969.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Leitfaden für Kandidaten und Wahlhelfer, München 1969.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Reden. Landesversammlung München 1963 CSU. CSU in Bayern, München 1963.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: 1960. CSU-Nachrichten aus dem Würmtal. Augsburg.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Mitteilungen der Christlich-Sozialen Union. Ausgabe Bamberg/Oberfranken, Bamberg 1946.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Mitteilungen der Christlichsozialen Union. Ausgabe München/Oberbayern, München 1946.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Mitteilungen der Christlich-Sozialen Union. Ausgabe Niederbayern-Oberpfalz, München 1946.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Mitteilungen der Christlich-Sozialen Union. Ausgabe Nürnberg-Mittelfranken, München 1946.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Mitteilungen der Christlich-Sozialen Union. Ausgabe Unterfranken, Würzburg 1946.

692 Christlich-Soziale Union in Bayern: Union-Flüchtlingsdienst, München 1946.

Archivbestände

670 Archiv für Christlich-Soziale Politik (Hanns-Seidel-Stiftung)

Veröffentlichungen über die Institution

730 Balcar, Jaromír (Hg.): An der Spitze der CSU. Die Führungsgremien der Christlich-Sozialen Union 1946 bis 1955, München 2007.

730 Berls, Ulrich: Bayern weg, alles weg. Warum die CSU zum Regieren verdammt ist, München 2013.

730 Fait, Barbara: Die Anfänge der CSU 1945 – 1948. Der holprige Weg zur Erfolgspartei, München / Landsberg / Lech 1995.

730 Geiger, Tim: Atlantiker gegen Gaullisten. Außenpolitischer Konflikt und innerparteilicher Machtkampf in der CDU, CSU 1958 – 1969, München 2008.

730 Haneke, Burkhard: Geschichte einer Volkspartei. 50 Jahre CSU 1945 - 1995, Grünwald 1995.

730 Hefty, Georg: Die CSU an der Wegscheide, München 2007.

730 Hermannseder, Eveline: Europas letzte große Volksparteien. Die Christlich-Soziale Union und die Südtiroler Volkspartei im Vergleich, Baden-Baden 2014.

730 Hoffmann-Lange, Ursula: Katholiken und Protestanten in der deutschen Führungsschicht. Ausmaß, Ursachen und Bedeutung ungleicher Vertretung von Katholiken und Protestanten in den Eliten der Bundesrepublik, in: Wellig, Hans-Georg (Hg.): Konfession - eine Nebensache? Politische, soziale und kulturelle Ausprägungen religiöser Unterschiede in Deutschland, Stuttgart 1984, 75-93.

730 Hopp, Gerhard (Hg.): Die CSU. Strukturwandel, Modernisierung und Herausforderungen einer Volkspartei, Wiesbaden 2010.

730 Huber, Martin: Der Einfluss der CSU auf die Westpolitik der Bundesrepublik Deutschland von 1954 – 1969 im Hinblick auf die Beziehungen zu Frankreich und den USA, München 2008.

730 Kießling, Andreas: Die CSU. Machterhalt und Machterneuerung, Wiesbaden  2004.

730 Kirchmann, Josef: Die Bedeutung christlicher Werte in Programm und Praxis der CSU, Sankt Ottilien 1985.

730 Krahe, Brigitte/Seibel, Michaela: Bibliographie zur Geschichte der CDU und CSU 1981 - 1986. mit Nachträgen 1945 - 1980, Düsseldorf 1990.

730 Lemke, Michael: CDU, CSU und Vertragspolitik der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1969 – 1975. Kontinuität und Wandel christdemokratischer Ost- und Deutschlandpolitik, Saarbrücken-Scheidt 1992.

730 Marx, Stefan (Hg.): Der Kreßbronner Kreis. die Protokolle des Koalitionsausschusses der ersten Großen Koalition aus CDU, CSU und SPD, Düsseldorf 2013.

730 Mintzel, Alf:  Die CSU-Hegemonie in Bayern. Strategie und Erfolg. Gewinner und Verlierer, Passau 1998.

730 Müller, Kay: Schwierige Machtverhältnisse. Die CSU nach Strauß, Wiesbaden 2004.

730 Nick, Rainer: Schwesterparteien. CDU, CSU u. Österr. Volkspartei, Innsbruck 1984.

730 Richter, Saskia: Die Kanzlerkandidaten der CSU. Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber als Ausdruck christdemokratischer Schwäche?, Hamburg 2004.

730 Schaarschmidt, Thomas/Krengel Hildegard: Bibliographie zur Geschichte der CDU und CSU 1987 – 1990, Düsseldorf 1994.

730 Scheuer, Andreas: Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns, Norderstedt 2005.

730 Schmeer, Reinhard: Volkskirchliche Hoffnungen und der Aufbau der Union. Evangelische Kirche und CDU/CSU in den ersten Nachkriegsjahren, Köln / Pulheim / Bonn 2001.

730 Sebald, Martin: Christlich-Soziale Union in Bayern e.V. (CSU), In: Decker, Frank (Hg.): Handbuch der deutschen Parteien, Wiesbaden (2007) 22013, 222-232.

730 Seesing, Heinz (Hg.): Rechtspolitische Grundsätze von CDU und CSU zur Fortpflanzungsmedizin. Technologischer Fortschritt und menschliches Leben, München 1987.

730 Weidenbusch, Ernst, (Hg.): Und sie bewegt sich doch! Denkanstösse für eine christlich-soziale Politik im 21. Jahrhundert, München 2007.

730 Weil, Michael: Die Christlich-Soziale Union in Bayern e.V. (CSU), In: Niederbayer, Oskar: Handbuch Parteierforschung, Wiesbaden 2013, 469-495.

730 Weigl, Michael: Die CSU. Akteure. Entscheidungsprozesse und Inhalte einer Partei am Scheideweg, Baden-Baden 2013.

730 Widmann, Peter (Hg.): Ist Verhütung Mord? Aufdeckung eines katholischen Skandals. Warum der Streit zwischen CSU-Abgeordneten und dem Kardinal Ratzinger eine tiefe Verbitterung auslöste, Oberursel 1992.

730 Zehetmair, Hans: Politik aus christlicher Verantwortung, Wiesbaden 2007.

 

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