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  • Ostkirchenausschuss (Kirchlicher Hilfsausschuss für die Ostvertriebenen)
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260 Ziel, Interesse oder Aufgabe

Der kirchliche Hilfsausschuss für die Ostvertriebenen war das zentrale Repräsentationsorgan der evangelischen Vertriebenen in der EKD - Evangelische Kirche in Deutschland. Das Organ setzte sich aus den Vertretern der sogenannten Hilfskomitees zusammen, in denen überwiegend die Mitglieder der ehemaligen ostdeutschen Kirchenleitungen versammelt waren. Gewissermaßen sind sie als Nachfolgeorganisationen der ehemaligen ostdeutschen Landeskirchen anzusehen. Die Hilfskomitees waren unter dem Dach des Evangelischen Hilfswerks organisiert und waren für die seelsorgerliche und karitative Betreuung der Vertriebenen zuständig, übten allerdings keine kirchenregimentlichen Funktionen aus. Als beratendes und subordiniertes Organ wurde der OKA vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland anerkannt. Eine vom Ostkirchenausschuss angestrebte kirchenrechtliche Aufwertung konnte jedoch nicht erreicht werden. Als zweites zusammenfassendes Organ neben dem Ostkirchenausschuss wurde 1951 der Konvent der zerstreuten evangelischen Ostkirchen gegründet. Zusammenfassend lässt sich das Verhältnis von Ostkirchenausschuss und Ostkirchenkonvent so beschreiben: Während der Ostkirchenausschuss als Repräsentationsorgan der evangelischen Vertriebenen in der EKD eher für die kirchenpolitischen Belange zuständig war, war der Ostkirchenkonvent mit der themenbezogenen inhaltlichen Auseinandersetzung befasst. Auch die organisatorische Einbdindung der beiden Gremien in die Strukturen der EKD unterschied sich: Während der Ostkirchenausschuss ein subordiniertes Organ der EKD und somit in die EKD-Strukturen eingebunden war, war der Konvent als freier eingetragener Verein kein Mitglied der EKD. Zwischen beiden Gremien bestanden große personelle Überschneidungen.

4208 Geschichtliche Stationen und Daten

  • Juli 1946 Frankfurter Ostkirchentag: Erste Beratungen über die Gründung eines Ostkirchenausschusses als Gremium der kirchlichen Vertriebenenarbeit und Zusammenfassung der Hilfskomitees, die beim Evangelischen Hilfswerk angesiedelt sind und organisatorisch wie finanziell von diesem getragen werden.
  • 10./11.10.1946 Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland beriet über den Status des Ostkirchenausschusses; große Differenzen gegenüber der Frankfurter Ostkirchentag, große Differenzen zwischen Ostkirchenausschuss und Rat der EKD über den Status des OKA.
  • 04.01.1949 Konferenz der Vorsitzenden der Hilfskomitees, organisiert vom Zentralbüro des Evangelischen Hilfswerks; Fortführung der Diskussion über die Fragen der Repräsentation der evangelischen Vertriebenen.
  • Februar 1949 Ökumenische Flüchtlingskonferenz in Hamburg: Forderung der Schaffung wirksamer zentraler Organisationen; hierfür sollte der Ostkirchenausschuss legitimiert werden.
  • 22.03.1949 Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland beschloss die Förderung der Geschäftsstelle des Ostkirchenausschusses. Voraussetzung der Arbeit war, dass die seelsorgerliche Arbeit bei den Landeskirchen, die karitativen Aufgaben beim Hilfswerk angesiedelt sein sollten.
  • 01.07.1949 Verabschiedung einer Geschäftsordnung; die vom Rat verabschiedete Fassung wich jedoch erheblich vom Entwurf des OKA ab. Der Ostkirchenausschuss protestiert gegen den Rat der EKD, der die Ostkirchen als "ehemalig" bezeichnete und damit die Lesart kirchenamtlich durchsetzte, dass die Ostkirchen nicht mehr existierten. Dagegen machten die Vertreter der Ostkirchen geltend, dass die mit der Vertreibung vertriebenen ostdeutschen Landeskirchen als Bekenntnisgemeinschaften, d.h. als "Kirchen ohne Land" weiter existierten. Die schweren Bedenken des OKA konnten den Rat allerdings nicht zu einer Revision des Ratsbeschlusses bewegen.
  • 16.08.1949 Der OKA beschloss eine um Ausgleich bedachte Linie und erkannte das Territorialprinzip an.
  • 06./07.09.1949 Endgültige Klärung auf der Ratssitzung, als wichtigstes Verhandlungsergebnis konnte eine bessere finanzielle Ausstattung erreicht werden. Die vom OKA intendierte kirchenrechtliche Aufwertung des Hilfsausschusses wurde hingegen nicht erreicht.
  • 1951 Versuche, mit der Gründung des Ostkirchenkonvents den Status der Ostkirchen kirchenrechtlich aufzuwerten und den Ostkirchenausschuss mit zusätzlicher Legitimität auszustatten, scheitern.

Netzwerk

510 Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (beratendes Organ des Rats der EKD)

510 Konvent der zerstreuten evangelischen Ostkirchen (personelle Verflechtungen)

510 Der Remter. Zeitschrift für Kultur und Politik in Osteuropa (Publikationsorgan)

510 Ostkirchliche Information (Publikations- und Nachrichtenorgan des OKA)

500 Girgensohn, Herbert (Vorsitzender)

500 Gülzow, Gerhard (Vorsitzender)

500 Spiegel-Schmidt, Friedrich (Geschäftsführer)

500 Brummack, Carl  (Mitglied)

500 Harms, Klaus (Mitglied)

500 Iwand, Hans Joachim (Mitglied)

500 Hamm, Franz (Mitarbeit)

510 Haus der helfenden Hände / Beienroder Konvent (Ostpreußische Vertriebenenarbeit)

Publikationen

Eigene Publikationen

Verschiedene Broschüren

692 Der Remter. Zeitschrift für Kultur und Politik in Osteuropa (Zeitschrift)

692 Ostkirchliche Information  (Zeitschrift)

Archivbestände

670 EZA Berlin, 17 (Kirchlicher Hilfsausschuss für die Ostvertriebenen)

670 EZA Berlin, B 512 (gesammeltes Material von Hartmut Rudolph)

Veröffentlichungen über die Institution

730 Rudolph, Hartmut: Evangelische Kirche und Vertriebene 1945-1972. Band I: Kirchen ohne Land. Die Aufnahme von Pfarrern und Gemeindegliedern aus dem Osten im westlichen Nachkriegsdeutschland: Nothilfe - Seelsorge - kirchliche Eingliederung, Göttingen 1984.

730 Rudolph, Hartmut: Evangelische Kirche und Vertriebene 1945 bis 1972. Band II: Kirche in der neuen Heimat. Vertriebenenseelsorge - politische Diakonie - das Erbe der Ostkirchen, Göttingen 1985.

100 Name: Evangelische Kirche in Deutschland. Kirchlicher Hilfsausschuss für die Ostvertriebenen

410 Abkürzung: OKA ; Ostkirchenausschuss

150 Gründungsdatum: 1946 Konstituierung, 1949 endgültige Regelung und Anerkennung durch die EKD

0100 GBV-Link: http://d-nb.info/gnd/1021914-6