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  • Weltkirchenkonferenz (Amsterdam 1948)
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260 Ziel, Interesse oder Aufgabe der Institution

Laut seiner Verfassung verfolgt der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) das Hauptziel, die Gemeinschaft der in ihm verbundenen Kirchen "zur sichtbaren Einheit in dem einen Glauben und der einen eucharistischen Gemeinschaft aufzurufen, die ihren Ausdruck im Gottesdienst und im gemeinsamen Leben in Christus findet, durch Zeugnis und Dienst an der Welt, und auf diese Einheit zuzugehen, damit die Welt glaube." (Art. III) Die erste Weltkirchenkonferenz in Amsterdam ist die Gründungskonferenz des Ökumenischen Rates der Kirchen gewesen, die am 23. August im Rahmen der Konferenz vollzogen wurde. Zum ersten Generalsekretär wurde Willem A. Visser't Hooft gewählt. 

Die inhaltliche Ausrichtung der Konferenz verlief in zwei Richtungen: Sie betrieb zum einen Ursachenforschung, um die Gründe ihrer Schwäche im Konflikt zwischen ökumenischem Gedanken und nationalen Interessen, wie sie im Zusammenhang der beiden Weltkriege offen zu Tage getreten waren, zu bearbeiten. Zum anderen sah sie sich mit dem Kalten Krieg unmittelbar mit einem neuen weltpolitischen Konflikt konfrontiert, der die Ziele des ÖRK, das "im Gebet getragene Streben nach Vergebung und Versöhnung in einem Geist der gegenseitigen Rechenschaft, [sowie] die Entwicklung engerer Beziehungen durch den theologischen Dialog und das Miteinanderteilen menschlicher, geistlicher und materieller Ressourcen zu fördern" (Art. III) massiv auf die Probe stellte.

An der Konferenz nahmen 351 Delegierte aus 147 überwiegend protestantischen Mitgliedskirchen aus 44 Ländern teil. Davon stammte ein Großteil aus Westeuropa und Nordamerika, nur 30 Mitgliedskirchen kamen aus Afrika und Asien, fünf davon allein aus China; sie wurden in der Terminologie der Berichte häufig als 'Junge Kirchen' bezeichnet. Den Vertreter der orthodoxen Kirchen des Ostblocks wurde aus politischen Gründen die Teilnahme an der Konferenz untersagt. Die Römisch-katholische Kirche ist nicht Mitglied des ÖRK und hatte auch keine Beobachter nach Amsterdam entsandt. Ständige Konsultationen zwischen RKK und ÖRK wurden erst nach dem II. Vaticanum eingerichtet. 

Laut Verfassung des ÖRK stellt die Vollversammlung "das oberste legislative Organ" (Art. V) dar, das für den ökumenischen Prozess zwar steuernde, gegenüber seinen Mitgliedskirchen aber lediglich beratende Funktion hat (Art. IV). Damit sollte der Eindruck vermieden werden, mit dem ÖRK würde eine Art transnationaler Überkirche geschaffen, die die konfessionellen und nationalen Besonderheiten der im ÖRK zusammengefassten Kirchen aufhebe bzw. in Konkurrenz zu ihnen tritt.  

4208 Geschichtliche Stationen und Daten

Die Erste Vollversammlung des ÖRK hat eine umfangreiche Vorgeschichte: Sie sah sich selbst in der Nachfolge der ersten Missionskonferenz, 1910 abgehalten in Edinburgh, der Versammlungen der Bewegung für Praktisches Christentum (Life and Work), die 1925 in Stockholm und 1937 in Oxford zusammentraten, sowie den Internationalen Konferenzen der Bewegung für Glaube und Kirchenverfassung (Faith and Order), die 1927 in Lausanne und 1937 in Edinburgh stattfanden. Der Prozess der Zusammenfassung dieser drei Wurzeln der Ökumenischen Bewegung kam aber vorerst nicht zum Abschluss. Zwar war eine vorläufige Verfassung des ÖRK bereits 1938 in Utrecht erarbeitet worden, eine erste Vollversammlung war für 1940/41 terminiert, konnte dann aber aufgrund des Zweiten Weltkriegs nicht stattfinden und musste auf unbestimmte Zeit verschoben werden und trat erst deutlich nach dem Ende des Krieges vom 22.08.-04.09.1948 in Amsterdam zusammen. 

Parallel zur Hauptversammlung tagten noch zeitgleich die Konferenz der Stellvertreter, die Konferenz der Jugenddelegationen sowie eine Konferenz offiziell ernannter Beobachter, die für die Öffentlichkeit zugänglich war. Als das zentrale Thema der Konferenz wurde die Bündelung der in der Ökumenischen Bewegung und den Konferenzen für Glaube und Kirchenverfassung (Faith and Order) und für Praktisches Christentum (Life and Work) bis zum Ausbruch des Krieges erarbeiteten Ergebnisse und deren Vertiefung und Ausarbeitung vor dem Hintergrund der Erfahrungen zweier Weltkriege benannt. Die Nachkriegssituation sowie die sich verstärkenden Spannungen zwischen Ost und West spielten auf der Konferenz eine große Rolle. Die stark durch dialektisch-theologische Momente geprägte Konferenz (einer der Eröffnungsvorträge zum Oberthema der Konferenz wurde von Karl Barth gehalten) erarbeitete v. a. in der Sektion III, die sich mit gesellschaftlichen Fragen beschäftigte, den Terminus der 'verantwortlichen Gesellschaft', der für die weitere sozialethische Entwicklung nicht nur der Bundesrepublik bedeutsam geworden ist.

Das Thema der Ersten Vollversammlung lautete 'Man's Disorder and God's Design/ Die Unordnung der Welt und Gottes Heilsplan'. Die Konferenz arbeitete in vier Sektionen:

  • Sektion 1: Die Kirche in Gottes Heilsplan
  • Sektion 2: Die Kirche bezeugt Gottes Heilsplan
  • Sektion 3: Die Kirche und die Auflösung der gesellschaftlichen Ordnung
  • Sektion 4: Die Kirche und die internationale Unordnung

 

Zudem wurde in einer Reihe von Komitees gearbeitet, die sich unterschiedlichen Schwerpunkten widmeten:

  • Komitee 1: Verfassung und Geschäftsordnung
  • Komitee 2: Grundsätzliche Fragen
  • Komitee 3: Programm und Verwaltungsfragen
  • Komitee 4: Anliegen der Kirchen
    a) Leben und Arbeit der Frauen in der Kirche
    b) Das christliche Verhalten gegenüber den Juden
    c) Die Bedeutung der Laien in der Kirche
    d) Christlicher Wiederaufbau und zwischenkirchliche Hilfe


Eine zentrale Debatte wurde auch über die Frage nach dem Umgang mit dem Kommunismus und die Frage nach der Haltung der Kirchen bzw. des einzelnen Christen zum Kommunismus innerhalb der Staaten des Ostblocks geführt. Pointierte Positionen nahmen in diesem Zusammenhang Joseph L. Hromadká (er plädierte für eine konstruktive Mitarbeit der in kommunistischen Staaten lebenden Kirchen am gesellschaftlichen Aufbau) und John Foster Dulles ein (er plädierte dafür, gerade aus christlicher Sicht, eine oppositionelle Haltung gegenüber dem Kommunismus einzunehmen, da es allein in demokratischen Systemen einen wirksamen Schutz der christlichen Gottesbeziehung und damit eine Affinität des Christentums zu demokratisch verfassten Staatsformen gäbe).  

Netzwerk

500 Schlink, Edmund (Delegierter)

500 Barth, Karl (Sachverständiger)

500 Keller, Adolf (Sachverständiger)

500 Ihmels, Carl (Sachverständiger)

500 Kloppenburg, Heinrich (Dolmetscher)

500 Pauck, Wilhelm (Sachverständiger)

500 Siegmund-Schulze, Friedrich Wilhelm (Sachverständiger)

500 Brunner, Emil (Sachverständiger) 

500 Dibelius, Otto (Delegierter)

500 Gablentz, Otto Heinrich von der (Delegierter)

500 Lilje, Hanns (Delegierter)

500 Meiser, Hans (Delegierter)

500 Niemöller, Martin (Delegierter)

500 Smend, Rudolf (Delegierter)

500 Wolf, Ernst (Delegierter)

500 Wurm, Theophil (Delegierter)

500 Asmussen, Hans (stellv. Delegierter)

500 Collmer, Paul (stellv. Delegierter)

500 Iwand, Hans Joachim (stellv. Delegierter)

500 Karrenberg, Friedrich (stellv. Delegierter)

500 Stählin, Wilhelm (stellv. Delegierter)

500 Dulles, John Foster (Sachverständiger)

500 Hromadka, Joseph L. (Delegierter) 

500 Visser 't Hooft, Willem A. (Sachverständiger, Generalsekretär)

500 Gerstenmaier, Eugen (Gast)

500 Heinemann, Gustav (Gast)

500 Herntrich, Volkmar (Gast)

500 Kreyssig, Lothar (Gast)

500 Schwarzhaupt, Elisabeth (Gast)

500 Potter, Philipp (Jugend-Delegierter)

Publikationen

Eigene Publikationen

692 Studienabteilung des ÖRK in Genf (Hg.): Die erste Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Amsterdam vom 22. August bis 4. September 1948, Zürich 1948.

692 Ökumenischer Rat der Kirchen (Hg.): Die zehn Aufbaujahre 1938-1948. Arbeitsbericht des Ökumenischen Rates der Kirchen über seine Aufbauzeit, Genf 1948.

692 Ökumenischer Rat der Kirchen (Hg.): Es begann in Amsterdam. Vierzig Jahre Ökumenischer Rat der Kirchen, Frankfurt a.M. 1989.

692 WCC Publications: Dictionary of the Ecumenical Movement, Geneva2 2002.

Archivbestände

670 Die Vollsitzungen sind auf Tonband dokumentiert und es existiert ein stenographisches Protokoll im Archiv des ÖRK http://archives.oikoumene.org

Veröffentlichungen über die Institution

730 Link, Hans-Georg/ Müller-Fahrenholz, Geiko (Hg.): Hoffnungswege. Wegweisende Impulse des Ökumenischen Rates der Kirchen aus sechs Jahrzehnten, Frankfurt a.M. 2008.  

730 Wendland, Heinz-Dietrich: Die Kirche in der modernen Gesellschaft, Hamburg2 1958, 127-158.

730 Tödt, Heinz Eduard: Die Marxismus-Diskussion in der Ökumenischen Bewegung, in: Duchrow, Ulrich (Hg.): Marxismusstudien VI, Tübingen 1969, 1-42, bes. 14-30.  

730 Barth, Karl/ Daniélou, Jean/ Niebuhr, Reinhold: Amsterdamer Fragen und Antworten, in: Theologische Existenz heute (Heft 15), München 1949.

730 Castro, Emilio: 40 years of the World Council of Churches. Commemorating Amsterdam 1948, Genf 1988.

730 Döring, Heinrich: Kirchen, unterwegs zur Einheit – das Ringen um die sichtbare Einheit der Kirche in den Dokumenten der Weltkirchenkonferenz. Eine phänomenologisch-theologische Betrachtung, Paderborn 1969. 

730 Stiefel, Wolfram (im Auftrag des Ernst-Lange-Instituts für Ökumenische Studien e.V.): Ethik für das Leben. 100 Jahre ökumenische Wirtschaft- und Sozialethik. Quellenedition ökumenischer Erklärungen, Studientexte und Sektionsberichte des ÖRK von den Anfängen bis 1966, Rothenburg o.d.T. 1996. 

730 Lüpsen, Focko (Hg.): Amsterdamer Dokumente, Berichte und Reden auf der Weltkirchenkonferenz in Amsterdam 1948, Bielefeld 1948.

Internetressourcen

100 Name: World Council of Churches. Assembly (1 : 1948 : Amsterdam)

410 Abkürzung: 

  • Ökumenischer Rat der Kirchen. Vollversammlung (1 : 1948 : Amsterdam)
  • Ökumenischer Rat der Kirchen. Vollversammlung (1948)
  • Weltkirchenkonferenz (1 : 1948 : Amsterdam); WCC Assembly (1 : 1948 : Amsterdam)
  • World Council of Churches. Assemblée (1 : 1948 : Amsterdam)

130 Einrichtungstyp: Konferenz; Internationale Veranstaltung

0100 GBV-Link: http://d-nb.info/gnd/1042318484