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  • Institut für Christliche Gesellschaftswissenschaften
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260 Ziel, Interesse oder Aufgabe

Das Institut hatte im Zuge der Neuein- bzw. Ausrichtungen sozialethischer Lehrstühle an den Evangelisch-Theologischen Fakultäten der Bundesrepublik eine besondere Funktion inne. Es war das erste Institut seiner Art im protestantischen Raum in Deutschland. Seine Gründung war v.a. durch das Eingeständnis des Versagens weiter Teile des Mehrheitsprotestantismus gegenüber der NS-Diktatur und der Anerkennung motiviert, dass dieses Problem nicht allein als ein moralisches, sondern auch als ein wissenschaftlich-ethisches aufgefasst werden musste. Angesichts der neuen politisch-gesellschaftlichen Herausforderungen der Nachkriegszeit in Politik und Gesellschaft setzte sich das Institut zum Ziel, dieses Defizit an theologisch-ethischen Kategorien im Zugriff auf relevante Fragen des gesellschaftlichen und politischen Lebens anzugehen. Zudem wurde das Ziel verfolgt, die Theologie gezielt aus ihrer binnentheologischen Orientierung herauszuführen, um sie an nichttheologischen Debatten zu theologisch relevanten Themen anschluss- und gesprächsfähig zu machen.

Als damals einzige Universität des Ruhrgebiets existierten an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster bereits erste Ansätze einer Schwerpunktsetzung auf den Austausch zwischen Sozialwissenschaften und Theologie. Dazu gehörte neben der Sozialforschungsstelle mit Sitz in Dortmund das traditionsreiche "Institut für Christliche Sozialwissenschaften" (unter der Leitung von Joseph Höffner, auch bekannt als sog. 'Höffner-Institut') an der Katholisch-Theologischen Fakultät, dem die Institutsbezeichnung nachgebildet wurde.

4208 Geschichtliche Stationen und Daten

Mit der Berufung von Heinz-Dietrich Wendland an die Universität Münster auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für Sozialethik 1955 wurde die Einrichtung als 'Institut für Christliche Sozialwissenschaften' gegründet. Wegen der offenkundigen Verwechslunggefahr mit dem gleichnamigen Institut an der katholischen Fakultät der Universität Münster wurde es schnell in 'Institut für Christliche Gesellschaftswissenschaften' (ICG) umbenannt, dabei verzichtete man bewusst auf eine konfessionelle Ausrichtung (vgl. Wendland, 1977, 208). Seit 2004 trägt das Institut den Namen 'Institut für Ethik und angrenzende Sozialwissenschaften' (IfES).  

Unter der Leitung Wendlands (1955-1967), dessen Arbeiten zur Konsolidierung und zur internationalen Wirkung des damals jungen Faches beitrugen, erreichte das ICG eine beträchtliche Größe mit zeitweise 4 Wissenschaftlichen Mitarbeitern, die sich in Forschung und Lehre auf verschiedene Bereiche der Sozialethik wie Politik und Recht, Wirtschaft und Arbeitswelt, Ehe, Familie und Geschlechterbeziehungen, Religions- und Kirchensoziologie spezialisieren konnten. Wendlands erster Mitarbeiter am Institut war Trutz Rendtorff, der mit ihm gemeinsam aus Kiel nach Münster kam. Als ein wichtiger Einschnitt für das Institut muss das 1956 erschienene Buch 'Die Kirche in der modernen Gesellschaft' von H.-D. Wendland angesehen werden. Er entfaltet hier die Notwendigkeit und erste Vorschläge einer 'Theologie der Gesellschaft' und eines 'diakonischen' Verhältnisses der Kirche zur Gesellschaft, die für sein weiteres Arbeiten, aber auch für die Arbeit des Instituts von herausragender Bedeutung gewesen ist, ohne das Wendland es darauf angelegt hätte, eine theologische Schule gründen zu wollen (vgl. Wendland, 1977, 209f.).

Entsprechend dieser Ausrichtung des Instituts wurde die Arbeit zunächst in vier, später in fünf Referaten organisiert: 

  • Protestantismus und Politik, theologische Ethik des Politischen, Protestantische Staats- und Obrigkeitslehre: Strohm, Theodor 
  • Sozialwissenschaften, allgemeine Soziologie, Religions- und Kirchensoziologie: Dahm, Karl-Wilhelm
  • Ethik der Sexualität, theologische Begründung eines neuzeitlichen Eheverständnisses, interkonfessioneller Austausch zum christlichen Eheverständnis, Familiensoziologie: Ringeling, Hermann
  • Wirtschaftswissenschaften und theologische Wirtschaftsethik: Weber, Hartmut
  • Protestantismus und Sozialismus: Brakelmann, Günter  

Ab Mitte der 1960er Jahre verschoben sich die thematischen Gewichte auch in der Arbeit des Instituts vor allem im Gefolge der 3. Ökumenischen Vollversammlung in Genf auf der Richard Shaull seinen Vortrag zur "Theologie der Revolution" gehalten hatte. Die Nord-Süd-Problematik rückte damit immer stärker in den Mittelpunkt der theologische Fragestellungen, die innerhalb des Instituts bearbeitet wurden. Ab Anfang der 1970er Jahre begannen auch umweltethische Fragen eine immer wichtiger werdende Rolle zu spielen.

Wolf-Dieter Marsch wurde nach der Emeritierung Wendlands zweiter Direktor des Instituts. Er trat während seines Direktorats (1969-1972) mit Studien zur Kirchen- und Religionstheorie hervor und initiierte das religionssoziologische Projekt "Religion als Beruf". Zudem erprobte er im Zuge der Studentenproteste und Reformimpulse neue Seminar- und Vorlesungsformen sowie die Auflösung von traditionellen Lehrzyklen in Semestern. So wurde 1970/71 unter seiner Leitung das erste Studienjahr zum Thema 'Grundwissen der Sozialethik' abgehalten (vgl. Weber, 2001, 416f). Auch fällt in sein Direktorat die stärkere Hinwendung zu einer verstärkt empirischen Ausrichtung der Arbeit. Interimistisch leitete Hartmut Weber das Institut nach dem Tod Marschs 1972 bis zur Ernennung Karl-Wilhelm Dahms 1975 (vgl. Weber, 2001, 424-426). Von 1975-1996 leitete dieser das Institut. Er arbeitete vor allem auf den Gebieten der Wirtschafts- und Unternehmensethik, der Ethikvermittlung und der empirischen Kirchenforschung und vertrat eine stärker soziologische Ausrichtung des Instituts. Hans-Richard Reuter wirkte als Direktor von 1999-2013 und setzte Schwerpunkte in der politischen Ethik, Sozialethik, Kirchentheorie und Religionssoziologie. Im Interesse vereinfachter Außenkommunikation und verbesserter Transparenz des bearbeiteten Lehr- und Forschungsbereichs wurde unter seiner Leitung das Institut 2004 in 'Institut für Ethik und angrenzende Sozialwissenschaften' (IfES) umbenannt. Seit 2014 leitet Prof. Dr. Arnulf von Scheliha das Institut.

Netzwerk

500 Wendland, Heinz-Dietrich (Leiter 1955-1968)

500 Rendtorff, Trutz (Assistent)

500 Marsch, Wolf-Dieter (Leiter 1968-1972)

500 Ringeling, Hermann (Mitarbeiter)

500 Brakelmann, Günter (Mitarbeiter)

500 Dahm, Karl-Wilhelm (Leiter 1975-1996)

500 Strohm, Theodor (Mitarbeiter)

500 Weber, Hartmut (Mitarbeiter)

500 Marhold, Wolfgang (Mitarbeiter, akademischer Rat)

500 Fischer, Wolfram (Mitarbeiter)

500 Wittkopf, Lothar (Mitarbeiter)

500 Schibilsky, Michael (studentisch Hilfskraft)

500 Höffner, Joseph (Professor für katholische Soziallehre) 

500 Reuter, Hans-Richard (Leiter 1996-2013) 

500 Scheliha, Arnulf von (Leiter 2014-heute)

500 Tillich, Paul

500 Shaull, Richard

510 Universität Münster

510 Sozialamt der Evangelischen Kirche von Westfalen

510 Sozialforschungsstelle an der Universität Münster in Dortmund

510 Institut für Christliche Sozialwissenschaften 

Publikationen

Eigene Publikationen

692 Wendland, Heinz-Dietrich (Hg.): Sozialethik im Umbruch der Gesellschaft. Arbeiten aus dem Mitarbeiter- und Freundeskreis des Instituts für christliche Gesellschaftswissenschaften an der Universität Münster, Göttingen 1969.

692 Marsch, Wolf-Dieter / Fischer, Wolfram (Hg.): Plädoyers in Sachen Religion. Christliche Religion zwischen Bestreitung und Verteidigung – Beiträge aus dem Institut für Christliche Gesellschaftswissenschaften der Universität Münster, Gütersloh 1973. 

Archivbestände

670 

Veröffentlichungen über die Institution

730 Wendland, Heinz-Dietrich: Wege und Umwege, 50 Jahre erlebter Theologie 1919-1970, Gütersloh 1977, S. 208f.

730 Reuter, Hans-Richard (Hg.): Übergang: 45 Jahre Institut für Christliche Gesellschaftswissenschaften (http://opacplus.bsb-muenchen.de/search?isbn=3825853802&db=100)

730 Reuter, Hans-Richard (Hg.): 50 Jahre Ethik im sozialen Kontext. Festakt zum Jubiläum des Instituts für Ethik und angrenzende Sozialwissenschaften Münster, Münster 2007.

730 Weber, Hartmut: Engagiert – aber wofür? 73 Jahre erlebte Politik und Religion 1928-2001, Münster 2001, 402-439.

100 Name: Institut für Christliche Gesellschaftswissenschaften, ab 2004 Institut für Ethik und angrenzende Sozialwissenschaften

410 Abkürzung: ICG, ab 2004 IfES

130 Einrichtungstyp: Universität; Institut

0100 GBV-Link: http://d-nb.info/gnd/2013782-5

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