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  • Weltkirchenkonferenz (Oxford 1937)
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260 Ziel, Interesse oder Aufgabe

Vertreter verschiedener Konfessionen kamen 1937 in Oxford zusammen, um über Fragen der Ökumene und der Politik zu beraten. Ausgangspunkt war das Ringen der Ökumene mit der Zerrissenheit Europa und die Konferenz bemühte sich um eine gemeinsame "moralische Grundlage". Die Soziale Frage war einer der Hauptgegenstände der Konferenz. Es wurden anschließend Studiengruppen innerhalb des ökumenischen Studienprogramms (Life and Work Study Departement) eingerichtet.

4208 Geschichtliche Stationen und Daten

Die Konferenz:

  • 16. – 26.07.1937 stattgefunden in Oxford.
  • Das Thema der Konferenz wurde in fünf Sektionen behandelt:
    1. Kirche und Gemeinschaftsleben
    2. Kirche und Staat
    3. Kirche, Volk und Staat im Verhältnis zur Wirtschaftsordnung
    4. Kirche, Volk und Staat auf dem Gebiet der Erziehung
    5. Die Kirche Christi und die Welt der Nationen
  • In Vorbereitung auf die Konferenz beschäftigte man sich in einem Studienprozess mit dem Thema "Reich Gottes und Geschichte". Auf der Konferenz selbst spielte das Thema keine gesonderte Rolle mehr.
  • Die Leitung DEK entschied sich, keine Delegation nach Oxford zu entsenden. Dies geschah gegen den Willen der Bekennenden Kirche. Delegierte aus Deutschland waren der Bischof Otto Melle (Methodist), Paul Schmidt (Baptist), Prof. R. Keussen (Altkatholik); sie zeichneten sich durch ihre Verteidigung der deutschen Politik und ihre regimekonforme Haltung aus.
  • In Oxford spielte die theologische Reflexion eine weit größere Rolle als noch 1925 in Stockholm, während die gesellschaftspolitische Aktion dem nachgeordnet wurde (Weiße, Praktisches Christentum, 488).Die an Barth, Karl orientierte Theologie dominierte in Kontinentaleuropa dabei zusehends.
  • Besonders der Bericht der Sektion III, Kirche, Volk und Staat im Verhältnis zur Wirtschaftsordnung, ist als "breakthrough in ecumenical social ethics" (J.C. Bennett, Breakthrough, 1988) bezeichnet worden. Das "christliche Interesse an der Weltwirtschaftsordnung wurde nicht mehr im Sinne des Social Gospel begründet", sondern "als Ziel für die gesamte Gesellschaft konzipiert". Hauptverfasser des gerühmten Berichts der III. Sektion waren Adolph Lowe und Paul Tillich.
  • Der "Middle-Axiom-Approach" von Joseph Oldham wurde dabei zur problemorientierten Methode der ökumenischen Sozialethik: Mit der Oldham-Methode wurde die interdisziplinäre Kooperation bezeichnet, "mit deren Hilfe die Kirche in die Lage versetzt werden sollten in der säkularen Gesellschaft, wie sie in Jerusalem 1928 analysiert worden war, ihren spezifischen Beitrag zu artikulieren." (Stierle, Chancen, 148) Der Begriff der "Zwischen-Axiome" weist auf den "Standpunkt des Christen in einer zweifachen Bindung" hin: Er lebt in der Bindung des Glaubens, der Liebe und Hoffnung des Reiches Gottes. Er ist an die Ordnung der Welt gebunden" (Kosmahl, Ethik, 55). Daraus werden bestimmte Axiome, bzw. Normen  der christlichen Wirtschaftsethik destilliert: "Gemeinschaft zwischen den Menschen, Bildung und Gesundheit, soziale Fürsorge, der Eigenwert der Arbeit und die Anerkennung der Erde als Schöpfungsgabe." (Stierle, Chancen, 149).

Der Studienprozess nach Oxford:

  • Es gründeten sich im Anschluss an die Konferenz kleinere und größere Studiengruppen in Europa, Großbritannien und den USA, wobei der deutsche Beitrag relativ gering war.
  • Das Studienprogramm hatte seinem Selbstverständnis nach "einen elitären Charakter (...) Man betrachtete sich selbst als die aufgeklärte christliche Vorhut einer friedlichen Welt. Man glaubte, den Kirchen helfen zu können, dass sie  in diesem Licht ihren Existenzgrund wiederentdecken würden und dass in gemeinsamer Aktion nationale Interessen und Vorurteile überwunden werden würden." (Zeilstra, Europäische Einheit, 106). Die Mitglieder des Studienprogramms entstammten oft der WSCF und sind "imstande, Nationalität, Sprache und Kultur von einem christlichen Referenzrahmen aus zu relativieren, zu dem man sich gemeinsam bekennt." (Zeilstra, Europäische Einheit, 112). Daraus entstand ein "hochwertiges Netz von Kontakten", das einen "großen Einfluss auf den Lauf der europäischen Geschichte" (Ebd.) ausüben konnte.
  • Europa fungierte dabei als "Mythos", das Christentum als "wichtigste tragende ethische Kraft" (Ebd.).
  • Als wichtiges Datum gilt die ökumenische Laienfachleutekonferenz im Hotel Beau Séjour bei Genf im Juli 1939. Teilnehmer waren Wilhelm Visser't Hooft, Hans Schönfeld, William Paton, daneben aus Deutschland: Otto Heinrich von der Gablentz und Wilhelm Menn.
  • Es entstand eine Wandlung der Ideen und Auffassungen der ökumenischen Bewegung:
    •  in den 20er Jahren: "eindringendes Königreich Gottes in aus Fehlern lernende und in zunehmendem Maße erleuchtete Welt" (Zeilstra, Europäische Einheit, 107).
    • in den 30er Jahren: realistischere Auffassung einer Gesellschaft, die durch Hochmut und Sünde unterminiert war, in der die Kirchen nur durch die entwicklung einer selbstbewussten Anschauungsweise sowie durch damit übereinstimmende Taten einem Verlust an Relevanz würden entkommen können." (Ebd.).

Teilnehmer

500 Visser't Hooft

500 Joseph H. Oldham

500 Reinhold Niebuhr

500  Paul Tillich

500 Adolph Lowe

Publikationen

Eigene Publikationen

692 Forschungsabteilung des Ökumenischen Rates für Praktisches Christentum (Hrsg): Kirche und Welt in ökumenischer Sicht. Bericht der Weltkirchenkonferenz von Oxford über Kirche, Volk und Staat (Kirche und Welt 12), Genf 1938.

Archivbestände

Veröffentlichungen über die Institution

730 Bennett, John C.: Breakthrough in Ecumenical Social Ethics. The Legacy of the Oxford Conference on Church, Community, and State (1937)The Ecumenical Review 40.2, (1988): 132 – 146.

730 Kosmahl, Hans-Joachim: Ethik in Oekumene und Mission: Das Problem der Mittleren Axiome bei J. H. Oldham und in der christlichen Sozialethik 1970.

730 Stierle, Wolfram: Chancen einer ökumenischen Wirtschaftsethik. Kirche und Ökonomie vor den Herausforderungen der Globalisierung, Frankfurt am Main 2001.

730 Weiße, Wolfram: Praktisches Christentum und Reich Gottes. Die ökumenische Bewegung Life and Work 1919 – 1937, Göttingen 1991.

730 Zeilstra, Jurjen A.: Europäische Einheit im ökumenischen Denken 1937– 1948, in: Joachim Garstecki (Hrsg.), Die Ökumene und der Widerstand gegen Diktaturen. Nationalsozialismus und Kommunismus als Herausforderung an die Kirchen 2007, 101 – 126.

100 Name: Weltkirchenkonferenz für Praktisches Christentum; Conference on Church, Community and State (Oxford 1937)

130 Einrichtungstyp: Konferenz

0100 DNB-Link: http://d-nb.info/gnd/5089546-1

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