260 Ziel, Interesse oder Aufgabe

Die DCSV war ein studentischer Verband, der sich überkonfessionelle Mission und Evangelisation zum Ziel gesetzt hatte. Seine führenden Mitglieder wie Thadden, Lilje, Müller, Bannach und Fischer stehen für die Kontinuität der protestantischen evangelisatorischen Arbeit in der Weimarer Republik bis in die Bundesrepublik (Kirchentag, Evangelische Akademien, Studentengemeinden).

4208 Geschichtliche Stationen und Daten

  • Die Geschichte der DCSV geht auf die christliche Studentenbewegung zurück und entwickelte sich aus der deutschen Abteilung des CVJM heraus. Die Gründung erfolgte mit dem sogenannten Dillinger Statut im Jahr 1897. In der Verfassung der DCSV wird das Ziel des Bundes wie folgt beschrieben: "Ihr Ziel ist, nicht nur ihre Mitglieder, sondern soviel Studenten als möglich in persönliche Berührung mit dem Heiland zu bringen, und sie zur Mitarbeit für ihn zu bewegen. (...) Sie erkennt ihre Aufgabe in einem Zeugentum für Christum aus erfahrenem Glauben, nicht aus theologischem Erkennen." (Dillinger Statut, 1897)
  • Mit der aktuellen politischen Lage während des Aufstiegs der Nationalsozialisten und dem wachsenden Antisemitismus in der Gesellschaft setzte sich die DCSV erstmals auf ihrer Sommerkonfernz 1930 in Bad Saarow auseinander. Unter dem Leitthema "Christentum und Gegenwart" sprach unter anderen Erich Stange; festzuhalten sind die divergierenden Stellungnahmen der verschiedenen DCSV-Strömungen. Insbesondere der damalige Generalsekretär Hanns Lilje unterstützte die offene und kritische Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist.
  • Vom 08.-11. Juni 1933 fand in Neu-Saarow die erste Reichstagung der DCSV unter dem Thema "Deutsches Volk, Gottes Volk" seit der Machtübernahme Hitlers statt. Die anwesenden DCSV-Sekretäre bekannten sich geschlossen zum deutschen Volk, sie legten unter anderem ein Gelöbnis für den Reichskanzler ab, eine neue Satzung wurde beschlossen und zahlreiche Mitglieder der DCSV traten in die SA ein und nahmen an der hochschulpolitischen Aktion "Wider dem undeutschen Geist" (Bücherverbrennung) teil (Hong, 151).
  • Am Ende des Sommersemesters 1933 stand auch der Beitritt der DCSV zur DSt (Deutsche Studentenschaft) zur Debatte, Voraussetzung dafür war die Anerkennung des Führerprinzips und die Umsetzung des "Arierparagraphen".
  • Indem von Thadden für die Verhandlungen mit der DSt, die aufgrund des interkorporativen Charakters der DCSV von ihrer Aufnahme Abstand nahm, Karl Fezer für die Verhandlungen mit der DSt ermächtigte (mit Unterstützung seines Assistenten Hans Stroh und Karl-Heinrich Rengstorf) und sich selbst beurlaubte, sowie Lilje, Müller und Spemann vorerst ihrer Ämter enthob, machte er den Weg für eine Neuausrichtung der DCSV frei. Doch sowohl die Altfreunde als auch der Weltbund waren gegen die Übernahme des Arierparagraphen in die Satzung der DCSV, auch Karl Fezer selbst wurde die Unterstützung verweigert - das Amt des Vorsitzenden fiel an von Thadden zurück und die Aufnahme in die DCSV blieb aus. (vgl. Kubitza 78f.)
  • Die DCSV bestand während des Nationalsozislismus in Form von studentischen Kreisen unter dem Dach der Bekennenden Kirche weiter. Ihre führenden Mitglieder waren für die Evangelischen Wochen, eine Vorform des Kirchentags, verantwortlich. 1938 wurde die DCSV aufgrund regimekritischer Ansichten verboten.
  • Nach 1945 wurde sie nicht wieder neu eingerichtet, sondern die Studenten sammelten sich in den Evangelischen Studentengemeinden, deren Generalsekretatiat von 1946-1956 der DCSVler Horst Bannach übernahm. Die sogenannten Altfreunde der DCSV schlossen sich ab 1954 in der Evangelischen Akademikerschaft zusammen, deren Leitung ebenfalls Horst Bannach übernahm.

Netzwerk

500 Eberhard Müller (Sekretär bei der DCSV seit 1932, Generalsekretär bis 1938)

500 Hanns Lilje (Generalsekretär von 1927-1933; seit 1928 europäischer Vizepräsident des christlichen Studentenweltbundes WCSF, gegründet 1895 u..a. durch John Mott)

500 Reinold von Thadden-Trieglaff (Vorsitzender von 1928-1933)

500 Martin Fischer (Sekretär 1935-1939)

500 Adolf Füting (Sekretär 1935-1939)

500 Heinrich Rendtorff (2.stellvertretender Vorsitzender ab 1928)

500 Heinrich Giesen (Senior des Berliner Kreises der DCSV, vgl. Sauer, 54)

500 Horst Bannach (Mitarbeiter 1939-1941)

500 Erich Stange (gleichzeitig Reichswart der evangelischen Jungmännerbünde, CVJM)

500 Georg Michaelis (Vorsitzender von 1913-1928)

500 Paul Humburg (stellvertretender Vorsitzender von 1913-19; Generalssekretär von 1919-1921; 1. stellvertretender Vorsitzender ab 1928)

500 Hermann Weber (Generalsekretär von 1921-1925)

510 Evangelische Akademikerschaft (Altfreundeverband/Nachfolgeorganisation)

510 esg (Nachfolgeorganisation)

510 smd (alternative Nachfolgeorganisation)

510 Furche-Verlag (DCSV-Verlag)

510 Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend Deutschland (AEJ, übergreifende Nachfolge-Dachorganisation)

 

Publikationen

Veröffentlichungen über die Institution

730 Kupisch, Karl: Studenten entdecken die Bibel, Hamburg 1964.

730 Warns, Eberhard: Geschichte der Schülerbibelkreise 1883–1967. Jugenddienst-Verlag, Wuppertal 1968.

730 Stettner, Maria: Missionarische Schülerarbeit (Münchner Theologische Beiträge), München 1999.

730 Eysholdt, Tilmann: Evangelische Jugendarbeit zwischen "Jugendpflege" und "Jugendbewegung". Die deutschen Schülerbibelkreise (BK) von 1919 bis 1934, Köln 1997.

730 Hong, Haejung: Die Deutsche Christliche Studenten-Verbindung (DCSV) 1897-1938, Marburg 2001.

100 Name: Deutsche Christliche Studentenvereinigung

410 Abkürzung: DCSV 

006 DNB-Link: http://d-nb.info/gnd/19551-0

Eingehende Verknüpfungen